Breaking Bad „Live Free or Die“

„Breaking Bad“ bereichert endlich wieder mit neuen Folgen unsere TV-Bildschirme, seit dem gestrigen 15. Juli sendet AMC die ersten acht Episoden der finalen 5. Staffel. Und mit „Yeah, bitch! Magnets!“ sorgt man gleich wieder für einen dieser endlos zitierbaren Sätze, für die gerade Jesse Pinkman berühmt, berüchtigt ist.

Nach dem so nervenaufreibenden Finish der Vorgängerstaffel fühlt sich dieser Auftakt dann doch sogar etwas ereignislos an, beziehungsweise fehlt so etwas diese Atmosphäre, die einen vor Angst und Anspannung tief in den Fernsehsessel drückt. Aber dies ist keineswegs negativ gemeint, denn „Live Free or Die“ nutzt die Verschnaufpause etwas, um wieder mehr in den Tiefen des schwarzen Humors zu schwelgen. Rund um einen recht simplen Aufbau der Folge, in der sich ein Problem auftut (die Videoaufnahmen des Superlabors auf Gus Frings Rechner), welches von Walter White gelöst werden muss. Diese Lösung passiert hier schon fast proceduralhaft innerhalb dieser Folge, wirft aber in guter alter „Breaking Bad“-Manier neue Probleme für die Zukunft auf. Trotz dieses recht einfachen Gerüsts der Episode, bietet diese aber genügend Möglichkeiten, die typischen Zutaten aus dem „Breaking Bad“-Repertoire miteinander zu verknüpfen. Da  wäre zum einen der bereits angesprochene tiefschwarze Humor, für den hier vor allem Mike Ehrmtraut (zurück aus Mexiko, körperlich noch nicht wieder ganz auf der Höhe) sorgt, der einen trockenen One-Liner nach dem anderen heraushaut, und darüber hinaus mit seiner Mimik die ganze Zeit klarmacht, wie wenig er von Walter White hält. Aber auch Saul Goodman bleibt wie wir ihn kennen, schmierig-amüsant und aalglatt, auch wenn man ihm die Panik vor Walter doch immer mehr anmerkt.

Dazu kommen diese Momente der absoluten Klaustrophobie, die durch die überragende Kameraarbeit und Optik erzeugt werden. Ob es die in warmen Tönen aufgenommenen, wunderschönen Bilder von Mexiko sind, oder die „Alien“-Hommage im zerstörten Superlabor, wie gewohnt nutzt man die Bildsprache im wahrsten Sinne des Wortes als eine weitere wichtige Ebene, um die Geschichte zu erzählen und zu vertiefen. Ebenso beängstigend sind aber auch einige der Momente, an denen wir in Skylers Kopf weilen, sei es ihre Reaktion auf den schwer verletzten Ted Beneke (die wir zunächst nur an ihrem Gessicht ablesen können), die in ein beängstigendes „Good“ aus ihrem Munde umschwenkt, als Ted versichert, er würde Stillschweigen bewahren. Oder diese unheimlich verstörende Umarmung zwischen ihr und Walter am Ende der Episode.

Bei all dem habe ich noch nicht viel über Walters neue Attitüde, nach seinem Sieg über Gus verloren. Da ich lange Probleme mit dem Blickwinkel auf Walt, der irgendwie noch so etwas wie Mitleid und Empathie von mir als Zuschauer für dieses Monster von einem Mensch abverlangt hat, komme ich doch mit dem so offen niederträchtigen Walt besser zurecht. Und es ist eine logische Schlussfolgerung aus seiner gesamten bisherigen Entwicklung, dass Walt nun die Transformation zu Heisenberg vollzogen hat. Dafür benötigt er nun auch keine Assecoires wie einen Hut mehr, seine kalte, berechnende Aura reicht vollkommen aus.

Worüber man aber natürlich noch sprechen muss, ist diese rätselhafte Szene am Anfang der Episode. Alle Details deuten daraufhin, dass sie noch einige Zeit in der Zukunft liegt, mit Walters 52. Geburtstag, seinem vollen Haarschopf und der Tatsache, dass er wieder aug Medikamente angewiesen ist. Aber all die hier präsentierten Details wurden so vorgetragen, dass man sie für bahre Münze nehmen kann, eine Vorspiegelung falscher Tatsachen wäre aber ebenso möglich. Es muss nicht stimmen, dass dies wirklich Walts 52. Geburtstag ist, es muss nicht unbedingt bedeuten, dass sein Krebs wieder zurück ist, wenn er Medikamente einnimmt und fraglich ist auf jeden Fall, ob wir hier ganz ans Ende der Serie (mit Ausstrahlungstermin Sommer 2013) blicken, oder nur irgendwo auf die Welt bei Episode #5.08. Fragen über Fragen, über die man aber zum jetzigen Zeitpunkt eigentlich auch noch nicht spekulieren braucht.

Weiterführende Links zu „Live Free or Die“:

  • Alan Sepinwalls Review der Episode, der die Timeline in Bezug auf den potentiellen Flashforward noch einmal näher erläutert.
  • Die Review bei Press Play kommt zu dem Schluss, dass Skyler sich mittlerweile wie ein Missbrauchsopfer verhält, was ein faszinierender Gedanke ist.
  • Einen ähnlichen Gedankengang verfolgt Alyssa Rosenberg in ihrem Essay mit dem Titel Walter White, Abuser.
  • Ein paar nette Hintergrundinfos über den Plan im Zentrum dieser Folge aus der NY Times.

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