Battlestar Galctica „33“

Ich wollte die Erwartungen in meiner Ankündigung zur Episode letzte Woche nicht zu hoch hängen, aber mit dem Auftakt zur regulären ersten Staffel, der Episode „33“ hat mich „Battlestar Galactica“ damals vollkommen in seinen Bann gezogen und die kleinen Zweifel, die nach der Miniserie noch bestanden, hat man hier vollkommen ausgeräumt. „33“ ist für mich eine der besten Episoden einer Sci-Fi-Serie, die ich je gesehen habe und es ist vor allem ein genialer Auftakt für eine Serie. Einer der so repräsentativ ist für das, was danach noch kommen wird, dass für mich „33“ immer die Vorzeigefolge von „Battlesar Galactica“ bleiben wird. Das bedeutet ber natürlich nicht, dass wir nun die Highlights schon hinter uns haben.

Das simple, aber wirkungsvolle Konzept der dauerhaften Bedrohung durch die Cylons alle 33 Minuten, die daraus entstehenden Probleme der Erschöpfung und der Grenzbelastung von Körper und Geist der Überlebenden bieten die starke treibende Kraft in dieser außergewöhnlichen Folge. Dabei gibt es mit Ausnahme von Baltar keinen Charakter, der sich hier mit einer eigenen Storyline in den Vordergrund drängt, es wird eher ein großes Ganzes aus den Schnipseln der einzelnen Protagonisten zusammengetragen. Und neben der düsteren und kompromisslosen Stimmung, die sich im Laufe der Folge auf den Zuschauer übertragt, springt aber auch die Anspannung über, als es zur Konfrontation mit der Atlantic Carrier kommt. Waren die Weltraumkampfszenen in der Miniserie noch Momente der Action, so haben sie hier klar eine ganz andere Position in der Geschichte und üben so auch eine wesentlich intensivere Faszination aus. Auch wenn ich wusste, was passieren wird, saß ich doch wieder mit angehaltenem Atem vor dem Fernseher, bis Lee dann schlussendlich den Auslöser drückt.

Und man geht hier keine weichgespülten Kompromisse ein, denn auch wenn man wahrscheinlich die richtige Entscheidung getroffen hat, so ist es doch ebenso sicher, dass man dafür 1300 Menschenleben opferte. Das ist harter Tobak, den man auch nicht unter den Teppich kehrt und zu einer Heldentat hochstilisiert. Ich bin beeindruckt, wie nuanciert man die Entscheidungsfindung und die Verantwortung einer solchen militärisch geprägten Situation einfangen kann, dies löst Gedanken im Zuschauer aus, die ich mir so zuvor noch nie bewusst gestellt habe.

Rund um Gaius Baltar beschäftigt man sich neben dem unmittelbaren Geschehen innerhalb der Flotte auch weiterhin mit philosophischen Betrachtungen, mit seiner Verantwortung vor Gott (?) und der Menschheit und man spielt auf erzählericher Ebene damit, wie viel seines Schicksal Zufall, Vorbestimmung oder direkte Intervention Gottes ist. Und auch wenn er hier wie durch Zufall (oder eben die Fügung des Drehbuchs) natürlich einfach aus einer zuvor ausgweglos erscheinenden Situation wegzukommen scheint, so fühlt man sich als Zuschauer doch nicht an der Nase herumgeführt. Denn da bleibt die clever aufgeworfene Frage, warum dass nun so ist.

Und damit übergebe ich das Wort an meine Leser. Wie hat euch „33“ gefallen, hat sie ebenso Eindruck hinterlassen wie bei mir? Was stach heraus, wo gibt es noch Fragen, und wie waren allgemein die Eindrücke? Zur Lektüre kann ich den Wikipedia-Eintrag empfehlen, der ein wenig darauf eingeht, wie die Darsteller sich auf diese Folge vorbereitet haben, was dem Sender dann doch zu weit ging und welchen Stellenwert die Folge im Kanon der Serie einnimmt. Und Noel Murray hat „33“ einen wie immer tiefgründigen und faszinierenden Eintrag in seiner Reihe „A Very Special Episode“ gewidmet. (Bis zum Zitat von Dirc Benedict ist der Text spoilerfrei, danach geht Murray auf den weiteren Verlauf der Serie ein, er bleibt dabei zwar recht vage, ich würde aber vom Lesen dennoch eher abraten. Die Kommentare sind aber definitiv eine No-Go-Area, wenn man Spoiler meiden möchte.)

2 comments so far

  1. Horsebot 3000 on

    Mir fällt es gar nicht so leicht, den Eindruck, den „33“ als Einzelfolge bei mir hinterlassen hat, zu schildern, weil die Handlung so unmittelbar an die Miniserie angeknüpft hat. Ich hatte ja vermutet, dass die Truppe nach dem letzten großen Sprung erst einmal in Sicherheit ist und bis zur nächsten Cylon-Konfrontation noch ein wenig Verschnaufpause hat. Wie naiv von mir!😀 Hinzu kommt, dass ich die ersten paar Minuten doch etwas verwirrt war, was genau wir da eigentlich sehen. Ich dachte erst, es handelt sich um Rückblicke auf die letzte Schlacht, vermischt mit Baltars Erinnerungen an seine Zeit mit Six auf Caprica. Und sind die Zivilisten gegen Ende der Miniserie nicht alle an Bord der Galactica gekommen? Wenn nicht, hatte ich das wohl falsch verstanden und demzufolge auch nicht gleich kapiert, warum nun wieder alle in ihren jeweiligen Raumschiffen sind und alleine „springen“ müssen. Kurz gesagt: Anfängliche Verwirrung pur!😉

    Als dann nach einer Weile klar war, was denn nun Sache ist bzw. was es mit den ominösen 33 Minuten auf sich hat, wusste mich die Folge aber entsprechend in ihren Bann zu ziehen. Doch, hat man gut hinbekommen, diese Mischung aus Verzweiflung und Hoffnung („maybe next time!“). Der dramaturgische Höhepunkt war dann natürlich die Sache mit dem Olympic Carrier, aus all den oben bereits angeführten Gründen. Zumal mich in der Hinsicht auch die einzelnen Reaktionen durchaus überrascht haben, etwa dass Starbuck zögerlicher auf den Zerstörungsbefehl reagiert als Apollo. Das pro-aktive Vernichten eines eigenen Schiffs ist natürlich noch einmal ein ganzes Stück härter als das bloße Zurücklassen zuvor, wobei ich mir nach dem Lesen des Wikipedia-Artikels zur Folge fast gewünscht hätte, dass der Sender die ursprünglichen Pläne (direkter Blick Apollos auf die Zivilisten an Bord) nicht durchkreuzt hätte. Es war natürlich auch so ein ordentlicher Schlag in die Magengrube, wirkte aber in dem Moment doch als die eindeutig richtige Entscheidung.

    Der Verlauf der Baltar/Six-Handlung hat mich diesmal schon deutlich mehr gefesselt als in der Miniserie, vor allem weil es dank der Gott/Schicksal-Komponente nicht mehr ausschließlich über die Verführungsschiene lief. Die zugrunde liegende Debatte „man of science“ vs. „man of faith“ ist zwar sicherlich nicht neu, aber dank der bislang noch sehr undurchschaubaren Darbietungsweise (Einbildung? Vision? Lenkung?) wirkte sie doch recht „unverbraucht“. Es scheint jedenfalls weiterhin so, also wolle Six Baltar vollständig auf ihre Seite ziehen (inkl. Weltanschauung und Gottesbild), auch wenn dadurch die Vernichtungspläne der Cylons erneut gestoppt werden. Ob das nun aber aus Eigeninteresse passiert oder alles nur Teil eines großen Plans ist (so à la „long con“), ist mir immer noch unklar. Soll aber wohl auch so sein, ist schließlich erst der Staffelauftakt.😉 Hab ich es eigentlich richtig verstanden, dass Baltars Ex-Kollege letztlich gar nicht ihn als Maulwurf enttarnen wollte, sondern vermutlich einen auf dem Olympic Carrier anwesenden humanoiden Cylon? Oder hat man das durch die Zerstörung des Schiffs bewusst offen gelassen, um auch aus Baltars Sicht nicht ausschließen zu können, dass sein Six-Vertrauen ihm den Kopf gerettet hat?

    Außerdem haben wir noch erfahren, dass Helo am Leben und auf der Fluch vor den Cylons ist, die Caprica offenbar nicht nur zerstört, sondern auch besetzt haben. Ich wollte schon aufseufzen, als das eine Six-Modell ihn ausgerechnet mit einem Kuss von ihren guten Absichten überzeugen wollte (ein echtes Faible der Autoren!?), aber dann kam zum Glück gleich die Boomer-Wendung. Offenbar scheint auch hier der Plan der Cylons zu sein, erst einmal Helos Vertrauen zu gewinnen. Wobei: Helo müsste doch sofort durchschauen, dass das nicht „seine“ Boomer ist, da sie ja nicht dasselbe Wissen bzw. Gedankengut wie das BSG-Modell hat. Oder steht letztere in ständigem Kontakt mit den Cylons und kann somit ihr Insider-Wissen weitergeben? Derartige Aspekte der Cylon-Grundprämisse verwirren mich momentan noch hochgradig, wobei ich halt nicht weiß, ob man da gewisse Sachen nicht einfach als gegeben ansehen und vielleicht gar nicht sooo genau hinterfragen sollte? Was meint die Expertin?😉

    Auszusetzen hab ich diesmal sehr wenig, was darauf schließen lässt, dass die Folge unterm Strich einen recht guten Eindruck hinterlassen hat. Ab und an waren mir die Dialoge etwas zu sehr in Richtung „wir legen den Charakteren die Gedanken der Zuschauer in den Mund“ gelenkt, etwa bei Starbucks „wahrscheinlich ist sie ein Cylon“ bzgl. Boomer oder bei dem plakativen „Warum muss das genau alle 33 Minuten passieren?“ aus dem Mund der einen Reparaturarbeiterin. Apropos Starbuck: Da hätte ich sie nach dem wunderbaren Konter in Richtung Mr. Nice Guy Apollo schon fast ins Herz geschlossen, als die ganze Stimmung durch den Lachanfall und die „flirty undertones“ wieder zunichte gemacht wird. Hätte mir anders wesentlich besser gefallen, nur so als Randnotiz. Soweit also meine Eindrücke zu „33“.

  2. tvaddictfromgermany on

    Ich hatte nachdem Lesen des Wikipedia-Artikels auch erst gedacht, dass ich es natürlich gerne so gesehen hätte, wie Moore das eigentlich auch wollte. Wobei ich es auch in der abgeschwächten Version immer noch wirklich starken Tobak finde, weil es für mich an der Situation eigentlich nichts verändert. Selbst wenn Lee da keine Menschen gesehen hat, er hat ja auch nicht das Beweis des Gegenteils gesehen, also das sie vielleicht schon alle tot sind oder irgendsowas. Die Entscheidung, da so einfach abzudrücken und danach wird man ja nie erfahren, was dort nun wirklich los war, ist immer noch richtig krass. Das offensichtlichte Zeigen der Menschen braucht mMn eigentlich wirklich nur für die Zuschauer, die sich nur oberflächlich Gedanken machen.

    @Baltars Ex-Kollegen
    Das hat man mMn bewußt offen gelassen und auch bewußt mehrere Interpretationsspielräume in den Raum geworfen. Dass er vielleicht Baltar verraten könnte war ja auch nur eine Vermutung, die sich ja durchaus auch durch Baltars Paranoia erklären ließe.

    @Sixs Faible der Autoren
    Ja, das ist leider so. Geht einem manchmal durchaus auch auf die Nerven, bessert sich aber definitiv mit der Zeit, wenn sie merken dass Tricia Helfer noch so viel mehr kann als schick auszusehen und lasziv zu sein.😉

    @Grundprämisse der Cylontheorien
    Wie ich das schon im Post zu „Water“ geschrieben habe, ich war beim ersten Schauen davon auch total verwirrt und konnte das alles absolut nicht einordnen, ist aber aus meiner jetzigen Sicht Absicht gewesen. Man schafft diesbezüglich große Verwirrung, aber eben mit dem Hintergedanken dass sich der Zuschauer darüber Gedanken macht und sich dann mit der Zeit aus den Puzzlestücken ein Bild zusammenstellt. Mit etwas Abstand betrachtet bin ich eigentlich ganz froh, dass man zum derart frühen Zeitpunkt in der Serie noch nicht soviel Hintergundwissen über die Cylons als pure Fakten inszeniert. Da bleibt man eigentlich hauptsächlich auf dem Stand der Miniserie, was eben das „gesicherte Wissen“ angeht (humanoide Modelle, 12 Stcük davon etc.) und den Rest lernen wir über die Cylons unter uns und deren Verhalten kennen.

    @Flirterein zwischen Apollo und Starbuck
    Ging mir in der Szene genauso wie dir, hab da auch kurz meine Augen verleiern müssen.


Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: