Bunheads „For Fanny“

Es sind zwar erst zwei Episoden gelaufen, aber bisher hat „Bunheads“ für mich einerseits den Effekt, dass ich unbedingt etwas dazu sagen möchte (was natürlich auch mit den dicken Cliffhanger der letzten Folge zusammenhängt), und andererseits dass ich unheimlich happy bin, diese kleine Serie als Sommerhäppchen vor mir zu haben. Die Quoten der ersten Folge waren leider nicht berauschend, vor allem lagen sie zu weit oberhalb der angestrebten Altersgrenze von ABC Family, aber ich hoffe mittlerweile sehr, dass es für „Bunheads“ nicht bei den ersten zehn Episoden bleiben wird.

Das Fazit nach diesen ersten zwei Folgen ist also wirklich positiv, die Qualitäten des Piloten konnte man auch in dieser zweiten Episode voll ausspielen und den schwierigen Spagat, richtig mit Hubbels Tod umzugehen hat man sehr gut gemeistert. Das lag für meine Begriffe vor allem an der großartigen Kelly Bishop, die die Verdrängungsphase der Trauer und später dann die bittere Wut darüber einfach nur herzzerreißend gespielt hat, aber auch Sutton Foster macht sich weiterhin gut. Richtig gelungen war aber die Mischung aus Humor und Gefühl, die genialen Sprüche und skurrilen Situation folgten Schlag auf Schlag, das Serienuniversum der kleinen Stadt hat sich signifikant erweitert und hat einfach Spaß und Appetit auf mehr gemacht. Am Ende gab es dann die erwartete Eröffnung, dass Michelle wohl Hubbels Erbin sein wird (was man sicher vorher vermuten konnte, denn dies würde den ultimativen Grund zum Bleiben darstellen), zuvor auch ein paar nette Momente zwischen Michelle und ihrer Schwiegermutter. Auf der Ebene der erwachsenen Charaktere funktioniert „Bunheads“ für mich weiterhin ganz vorzüglich.

Die jungen Mädchen haben diesmal etwas mehr Raum bekommen und dadurch auch etwas mehr Persönlichkeit, auch wenn drei von ihnen hier mehr wie ein griechischer Chor agierten, lediglich Sasha hat als Einzelperson gehandelt und sich aus der Masse herausgehoben. Da im Piloten aber mehr der Fokus auf Boo lag, kann man durchaus hoffen, dass die anderen beiden mit der Zeit auch mehr Profil bekommen. So sind die Mädchen noch nicht ideal ausgearbeitet, sie stören aber auch nicht, sie benehmen sich nicht wie nervige Fernsehteenager und sie stellen sicher eine gutes Fundament für Fanny und Michelle in der Zukunft dar.

Es war sicher auch nicht alles großartig in der Folge, den Running Gag, das Wort Tod nicht auszusprechen fand ich anfangs enorm nervig, als er später aber weiter aufgegriffen wurde, hat er sich dann doch in mein Herz geschlichen. Die junge Frau, die in Hubbel verliebt war („Friday Night Lights“-Mindy  Stacy Oristano) ist für mich noch viel zu sehr eine Karikatur, dagegen waren die Ladys aus Frannys Freundeskreis erfrischend skurril.

Insgesamt war es aber eine sehr gelungene zweite Episode, die ja oftmals besonders holprig ausfällt, der Unterhaltungswert ist weiter enorm hoch und die Charaktere wachsen mir bereits sehr ans Herz.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Kontroverse rund um die mangelnde Vielfalt in Bezug auf die Bunheads, die aus vier weißen Mädchen besteht. Die wurde von Shonda Rhimes bei Twitter erwähnt, von verschiedenen Entertainment-Portalen dann breitgetreten (was an sich schon grenzwertig ist, wenn aus einem Tweet eines Promis ganze Newsstorys mit vollkommen übertriebenen Überschriften produziert werden, da bleibt der Journalismus zwangsläufig auf der Strecke) und dann von Amy Sherman-Palladino sehr unglücklich kommentiert wurde. So sehr dieses passiv-aggressive Aufbereiten des Themas momentan irgendwie aufegbauscht wird, ich finde es immer noch besser, sich damit auseinanderzusetzen und vielleicht auch an die eigene Nase zu fassen, als so zu tun als hätte man damit nichts zu tun. Noch viel fragwürdiger finde ich aber die von Palladino hingerotzte Behauptung, sie möchte sich auch nicht mit Essstörungen auseinandersetzen. Beim Thema Ballet?

Irgendwie kann ich die Haltung, das eigene Programm nicht zum Aufklärungsmedium (Message Shows) erklären zu wollen, verstehen, aber man kann doch nicht nur gesellschaftlich relevante Themen in Form von „Very Special Episodes“ angehen? Gerade Palladino weiß dass doch zu gut. Bei all der berechtigten Kritik an ihren ziemlich gedankelosen Äußerungen hoffe ich aber auch, dass wie die gleichen Maßstäbe in Zukunft auch bei all den von Männern geschaffenen Serien anwenden. Es kann ja schließlich nicht sein, dass nur die Lena Dunhams und Amy Sherman-Palladinos für Vielfalt im Cast ihrer Serien verantwortlich sind.

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