Battlestar Galactica: Die Miniserie

„So say we all“

Herzlich willkommen zu unserem Weg durch die 1. Staffel von „Battlestar Galactica“, der Neuauflage des Stoffes aus den 70er Jahren, die neue Maßstäbe an moderne Science Fiction Serien gelegt hat. Ronald Moore (der übrigens auch eng bei „Carnivàle“ als Drehbuchschreiber und Produzent involviert war) hat hinter der Kulisse einer Weltraumsaga über eine recht kleine Gruppe von Überlebenden des Genozids der Cylons über die Menschen unheimlich viele gesellschaftlich relevante Themen behandelt und dabei wie keine andere Serie ihrer Zeit (besonders in ihrer Vielschichtigkeit und ohne einfache Antworten) die großen Themen der amerikanischen und auch der Weltgeschichte behandelt. Anfangs finden wir viele Echos von 9/11 wieder, später werden aber Dinge wie der Irakkrieg und die Verantwortung eines Besatzerstaates auftauchen und unsere Loyalitäten auf eine tiefe Probe stellen. Aber soviel nur zum Appetitmachen, denn neben all den vielen politischen Dingen ist „Battlestar Galactica“ auch eine unheimlich spannende, unterhaltsame, bewegende, oft auch lustige und alles in allem einfach eine gute Serie.

Was mir während des Schauens dieses langen Piloten, der in Form einer 180-minütigen Miniserie den Einstieg liefert als erstes aufgefallen ist, sind die kantigen und klar herausgearbeiteten Charaktere. Da profitiert man natürlich von der vielen Zeit, die man hier im Gegensatz zu einem kurzen Ein-Folgen-Piloten hat, um die gesamte Welt und die sie bevölkernden Menschen vorzustellen. So nimmt man sich über 30 Minuten Zeit, um den Zuschauer erst einmal in die Welt des alternden Raumschiffes Galactica hineinzuwerfen und als dann der vernichtende Schlag der Cylons erfolgt und das Ausmaß der Katastrophe immer deutlicher wird, hat man alle wichtigen Mitspieler schon in deren charakteristischsten Wesenzügen kennengelernt und auch die meisten der Beziehungen unter ihnen angerissen. Inwieweit einem dies als Neuling so bewusst ist, kann ich mittlerweile nicht mehr einschätzen, denn für mich war es natürlich auch ein willkommenes Wiedersehen mit den liebgewonnen Charakteren , gepaart mit dem Gefühl der Überraschung, sie alle noch einmal nahezu unschuldig und unverbraucht am Anfang ihrer Reise zu sehen.

Besonders auffällig ist dabei, wie sehr man dabei auf Taten anstatt Worte setzt. Gerade am Beispiel von Laura Roslin wird nahezu keine Exposition in Form von Dialogen betrieben, wir sehen sie eigentlich nach ihrer Krebsdiagnose auf Caprica mehr oder weniger durch den Tag gleiten und fast nicht sprechen, aber die Art und Weise, wie sie die Verantwortung nach dem Cylon-Angriff auf sich nimmt und die Nachricht, dass sie als 43. in der Rangfolge zur neuen Präsidentin der Kolonien wird, sagt alles über ihren Charakter aus, was man wissen muss (und das sie damit zu meinen absoluten Lieblingsfiguren der Serienwelt gehört, sollte niemanden überraschen, der mich ein wenig kennt). Auch ihre ersten Meinungsverschiedenheiten mit Bill Adama, der momentan das andere Ende des Machtspektrums, die Verkörperung der gediegenen und hartgesottenen Militärstruktur verkörpert, bilden gleich wichtige Grundlagen für diese so elementare Beziehung der Serie.

Schon etwas mehr klassische Exposition erfahren wir zu eben jenem Bill Adama, den wir durch den Respekt seiner Crew-Mitglieder, seine Loyalität einer so schwierigen Person wie Kara „Starbuck“ Thrace gegenüber und besonders seiner einzigartigen Freundschaft zu seinem XO Saul Tigh kennenlernen. – Man beachte, wie nebensächlich Adama Colonel Tigh auf dessen Alkoholkonsum ansprechen kann, man braucht den aufbrausenden XO aber noch nicht gut zu kennen um zu wissen, dass dies so wohl sonst niemand mit ihm machen darf -. Da ist es schon fast etwas enttäuschend, wenn sein Zerwürfnis mit seinem einzig verbleibenden Sohn Lee so klischeehaft daherkommt wie hier. Dies ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt, den ich anbringen möchte, es würde mich aber natürlich interessieren, wie man als Neueinsteiger der Serie dazu steht. Empfindet man die zerrüttete Familie Adama eher als Thema, das einen ins Geschehen hineinzieht, oder fällt die Diskrepanz zu den anderen Charakterisierungen auch so ins Auge?

Und kommen wir dann gleich zu Starbuck, die sich hier in ganz typischer Art und Weise präsentiert. Ein Charakter wie sie könnte in den Händen einer weniger talentierten Darstellerin als Katie Sackhoff sicher schnell ins Klischee abrutschen, denn die Frau in einem Männerberuf mit dem schlechten Benehmen ist heutzutage sicher keine neue Idee mehr (dazu kommt der weitere Faktor, dass Starbuck im Original auch ein Mann ist). Aber Katie Sackhoff schafft es auch die menschliche Seite von Kara so gut einzubringen, dass Kara immer eine wilde Mischung aus Übermut und Verletzlichkeit bleibt. Man muss sie hier nur einmal so richtig herzhaft Lachen sehen und dann kann man ahnen, welch aufregende Reise uns mit ihr noch bevorsteht. Ein weiterer faszinierender Aspekt der Serie ist es zudem, dass hier eine nahezu geschlechtsneutrale Gesellschaft entwickelt wurde. Die Tatsache, dass Kara eine Frau ist im unter unseren Augen männerdominierten Feld Kampfpilot spielt keine Rolle, es wird zu keinem Zeitpunkt überhaupt nur erwähnt, dass der beste Pilot der Flotte eine Frau ist und dies etwas besonderes wäre. Auch die Skepsis gegen Laura Roslin als Präsidentin beruht darauf, dass sie unerfahren ist und aus einem eher unwichtigen Ressort kommt, nicht aber auf ihrem Geschlecht. Ich finde dies eine faszinierende Entscheidung der Drehbuchautoren, die nur ganz bewusst und mit viel Sorgfalt getroffen werden konnte. Dafür wurde es zu konsequent eingehalten, bis in die kleinsten Nebenfiguren und durch die Befreiung der normalerweise geltenden Geschlechterrollen schafft man es, die Figuren viel mehr durch ihre ganz spezifischen Eigenschaften zu beurteilen. Dieses Konzept würde für mich in einem aktuellen Kontext nicht funktionieren, aber in dieser fiktiven Welt bietet es faszinierende Möglichkeiten. Denn die Tatsache, dass eine Gleichstellung der Geschlechter existiert, bedeutet eben nicht, dass Mann und Frau sich auch gleich verhalten. Aber losgelöst von so manchen gesellschaftlichen Zwängen bietet dies viel mehr Freiheiten für charakterliche Entwicklungen.

Fürs erste möchte ich dann noch auf Gaius Baltar und seine ständige Begleiterin eingehen. Baltar bietet einen derartigen Gegensatz zu den doch in ihrem Wesen grundguten Menschen auf der Galactica, das er schon allein daraus einen besonderen Stellenwert einnimmt. Dazu kommt noch der Faktor, dass Baltar auch immer wieder ein wenig als Comic Relief herhalten muss, wenn die Stimmung droht zu düster zu werden. Aber dankenswerterweise ist James Callis darin einfach köstlich und auch für Tricia Helfer wird man im Laufe der Zeit noch viel mehr Aufgabenfelder auftun, als mysteriös und sexy zu sein. (Sie ist sicher auf schauspielerischer Ebene eine der größten Überraschungen über den weiteren Verlauf der Serie hinweg).

Wenn man dann aber alle wichtigen Figuren kennengelernt hat, manche etwas intensiver und manche eher am Rande, dann setzt die unmittelbare Handlung ein. Die Cylons greifen nach über 40 Jahren Waffenstillstand, in denen man keinerlei Kontakt zwischen den Spezien hatte, die 12 Kolonien an und vernichten diese vollkommen, bis auf die wenigen ca. 50 000 Überlebenden, die Roslin und ihr Team um sich versammeln konnte. Adama und die Galactica stellen sich aufgrund ihrer altmodischen Einstellung zur vernetzten Technik als einzig überlebensfähiges Militärschiff heraus und somit übernimmt Adama das Kommando über die Flotte. Nach einem letzten Aufbegehren beschließt Adama die kleine Gruppe der Überlebenden in eine ungewisse Zukunft zu geleiten, mit der vagen Hoffnung auf die verschollene Kolonie namens Erde und den Cylons im Nacken. Dazu kommt die für die Überlebenden neue Erkenntnis, dass die Cylons nun auch in Menschengestalt auftreten, davon existieren 12 Modelle von denen zwei (Leoben und Doral) bereits der Flotte bekannt sind.

Der langen Einführung folgt also ein ausgiebiger Action-Teil, der bis fast zum Schluss anhält, aber immer wieder von emotionalen Momenten  durchbrochen wird. Diese haben in meinen Augen unterschiedlich gut funktioniert, das kurze Kennenlernen eines kleinen überlebenden Mädchens, nur um der Tragik der zurück gelassenen Menschen ein Gesicht zu verleihen, empfand ich z.B. als eher billige Effekthascherei, die Tragweite von Roslins Entscheidung hat dieses leichte Unbehagen aufgrund der Inszenierung aber nicht untergraben. Die hoffnungsvollen Momente rund um das Wiedersehen der verschiedenen Pärchen dagegen hatte in meinen Augen genau das richtige Maß an Sentimentalität, eben auch um die übergreifende Hoffnungslosigkeit zu durchbrechen.

Ich möchte hier aber nicht schon alle Themen in Gänze abhandeln, da mich ja auch eure Meinung zum Gesehenen interessiert. Wie findet man sich als Neuling in die unbekannte Welt hinein? Welche Charaktere stechen hervor, positiv oder negativ? Was hat beeindruckt, was eher befremdet? Und darüber hinaus vielleicht noch ein paar Denkansätze als Ausgangspunkt für weitere Diskussionen:

  • Wie steht ihr dazu, dass der von Baltar angeschwärzte Doral dann doch ein Cylon ist? Untergräbt das die Skrupellosigkeit der Entscheidung Baltars und Colonel Tighs? Oder ist es eher reizvoll, dass Baltar zufällig den richtigen Schuldigen aus der Masse herauspickt?
  • Das Thema Religion spielt eine wichtige Rolle in der Serie und wird durch verschiedene Aspekte repräsentiert. Am auffälligsten natürlich dadurch, dass Six als unsere Botschafterin der Cylonwelt einen sehr gläubigen Monotheismus praktiziert, während die Menschen dem aus heutiger Sicht rückständigen Polytheismus nachgehen.

Ein Hinweis zum Schluss, tut mir den Gefallen und geht Spoilern aus dem Weg. Besonders die letzten beiden Staffeln haben einige Entwicklungen zu bieten, die man jetzt absolut nicht kommen sehen würde, da die entsprechenden Seiten aber alle vom Endstand der Serie ausgehen, sind die alle doch recht gefährlich. Wenn ihr Fragen habt, stehe ich da gerne zur Verfügung und versuche die für euch zu beantworten. Ich werde auch versuchen später gute Texte, Reviews etc. ohne Spoiler zu zukünftigen Entwicklungen in den Eingangspost zu verlinken, vom Anfang der Serie existiert da aber noch nicht so viel Material (hier also nur der Link zum Wikipediaeintrag zur Miniserie). Sepinwall beispielsweise ist er innerhalb der zweiten Staffel auf den Geschmack der Serie gekommen. Und nun zu euch, wie hat euch der lange Auftakt zu „Battlestar Galactica“ gefallen?

4 comments so far

  1. Horsebot 3000 on

    Na gut, dann will ich mal versuchen, meine (z.T. wirren) Gedanken zum überlangen Auftakt zusammenzufassen. Für mich (a.k.a. bekennender Sci-Fi-Banause) hat die Miniserie unterm Strich einen doch recht guten Eindruck hinterlassen, auch wenn sich ein paar meiner Vorurteile dem Genre gegenüber bestätigt haben. Als begrüßenswert empfinde ich auf jeden Fall die Tatsache, dass die „normale“ Charakterarbeit mindestens genauso viel Platz einzunehmen scheint wie die für mich teils etwas befremdlich wirkenden Weltraum-Aspekte. Das stimmt mich in Hinblick auf das weitere Geschehen sehr zuversichtlich und hat – zum Glück😉 – die Lust aufs Weiterschauen geweckt. Außerdem beruhigt es mich, dass einige meiner Kritikpunkte von der begeisterten BSG-Kennerin auch als solche angeführt worden sind. Ich dachte schon, ich bin mal wieder viel zu kritisch.

    Am meisten punkten konnte der Pilot bei mir mit den vielen thematischen Untertönen, egal ob nun gesellschaftspolitischer, philosophischer oder religiöser Natur. Gefällt mir sehr gut, dass man sich hier nicht bloß auf die offensichtliche Wissenschaftsdebatte (Mensch vs. Technik, Rache des unermüdlichen Forschungsdrangs) beschränkt, sondern auch eine Menge anderer Bereiche anspricht. Demzufolge haben mich auch jene Szenen, in denen es um das menschliche Verhalten in einer totalen Ausnahmesituation geht (inkl. der Folgen und moralischen Implikationen), am meisten gefesselt: Boomers und Helos ungeplante Bergungsmission auf Caprica, das umstrittene Opfern von Crew-Mitgliedern infolge der Beschädigung des Raumschiffs, das Zurücklassen der „jump“-unfähigen Schiffe oder der Umgang mit den Gefangenen unter den Überlebenden bzw. generell mit den geretteten Zivilisten an Bord. Im Gegensatz dazu haben mich die vermeintlich spannenderen Action- und Kampf-Einlagen größtenteils eher kalt gelassen, weil ich dazu einfach keinen Bezug habe. Mein persönliches Negativbeispiel war in dem Zusammenhang Starbucks Rettungsaktion von Apollo unmittelbar vor dem großen Sprung, und das nicht nur ob des völlig absehbaren Ausgangs. Sollte vermutlich unheimlich spektakulär wirken, hat bei mir aber für einen der wenigen Augenverdreher während des Dreistünders gesorgt.

    Die Einführung der Charaktere fand ich eigentlich recht gelungen, vor allem hinsichtlich der jeweiligen Funktion/Position und der einzelnen Beziehungen untereinander. Ein klein wenig anstrengend wirkte auf mich allerdings der Versuch, in Form der diversen Unterhaltungen gleich vorab möglichst viele Hintergrundinformationen auf einmal an den Zuschauer zu vermitteln (z.B. Zak-Geschichte bei der mMn holprigen Adama-Reunion, Cylon-Infos beim Geständnis von #6 an Gaius). Aber das ist nun einmal der Fluch einer Pilotfolge. Oder ich bin’s einfach von Serien wie „The Wire“ oder „Carnivàle“ nicht mehr gewohnt, Informationen dermaßen „einfach“ serviert zu bekommen.😀 Eindeutige Favoriten unter den Charakteren hab ich bislang noch nicht, wobei Adama und Roslin naturgemäß schon positiv herausstechen. Für meinen Geschmack hat man letztere zwar etwas gar souverän agieren lassen im Lichte einer solchen Krise, aber insgesamt stellt sie dennoch eine sehr vielversprechende Figur dar. Noch nicht so recht erwärmen kann ich mich hingegen für Apollo und Starbuck. Ersterer wirkt noch ziemlich glatt und selbstgerecht, zweitere strapaziert bisher leider das typische Mannsweib-Klischee über – man stelle bloß einmal ein Bild von ihr und Brienne von Tarth gegenüber.😉 Finde ich etwas schade, dass man solche Frauen in Männerrollen immer so demonstrativ burschikos zeichnen muss, und zwar sowohl äußerlich als auch vom Verhalten her. Auch ihre angesprochene Verletzlichkeit ist bei mir noch nicht wirklich angekommen, aber vielleicht ändert sich das noch. Was übrigens gar nicht ging war die angedeutete „head-over-heels romance“ zwischen Billy und Dee. Das entsprach leider genau meinen Befürchtungen, wie sich nerdige Sci-Fi-Autoren eine Mann/Frau-Interaktion vorstellen.😀

    Hinsichtlich des weiteren Verlaufs der Handlung bin ich momentan in erster Linie gespannt, welche Einblicke in die Cylon-Welt man noch so bekommt. Wird die Geschichte auch aus ihrer Perspektive erzählt, oder erfahren wir über sie immer nur indirekt durch die Menschen? Viele der mir im Kopf herumschwirrenden Fragen drehen sich nämlich um die grundsätzliche Cylon-Thematik. Es gibt also neben den ursprünglichen, unverkennbaren Modellen auch 12 menschenähnliche Ausführungen, von denen wir Zuschauer bislang vier kennen, richtig? Also #6, Doral, Leoben und Boomer. Von den 12 Modellen gibt es aber wiederum eine theoretisch unendliche Anzahl an „Kopien“? Erst klang das noch so, als könnte ihre „Persönlichkeit“ erst nach der Vernichtung in einen neuen Körper wandern. Aber dann zeigte sich ja, dass offensichtlich mehrere gleiche Ausführungen nebeneinander existieren. Die haben aber nicht alle denselben Wissensstand, oder? Sprich die bei den Cylons lebende Boomer weiß nicht automatisch dasselbe wie die BSG-Boomer? So ganz ist mir das noch nicht klar. Sollte man das nach dem Piloten schon wissen und ich hab’s nur nicht mitbekommen, bitte um Aufklärung!😉 Außerdem scheint es den Aussagen von #6 zufolge ja so, als würden sie und ihre Kollegen im direkten Auftrag ihrer „Gottheit“ handeln. Ich nehme an, das bleibt auch weiterhin ein Thema. Wobei ich aus den Motiven von #6 generell noch nicht schlau werde, v.a. später dann an Bord der Galactica. Mir ihren Hinweisen für Gaius schadet sie sich doch im Grunde selbst bzw. den Cylons. Ist das alles nur Teil eines perfiden Plans, oder empfindet sie etwa tatsächlich was für ihn, sofern das denn überhaupt möglich ist? Fragen über Fragen, die einen BSG-Kenner vermutlich hochgradig amüsieren.😀

    Abschließend noch ein paar unsortierte Gedanken, bevor ich dann gespannt auf die nächste Neulingsmeinung und/oder einen weiteren Expertenkommentar warte:

    _Der manipulative Einsatz des kleinen Mädchens hat mich auch gestört, zumal die Tragweite dieser schwierigen Entscheidung durch die verzweifelten Funksprüche mehr als deutlich zur Geltung kam.
    _Ich weiß noch nicht so recht, was ich von Roslins Krebsdiagnose zu diesem Zeitpunkt halten soll? Hoffe, das wird vernünftig thematisiert.
    _War es wirklich Zufall, dass Gaius ausgerechnet Doral herausgepickt hat? Ich hatte es eigentlich so aufgefasst, dass da auch eine gewisse Lenkung durch #6 im Spiel war, wenngleich nicht ganz so deutlich wie im Falle des verdächtigen Cylon-Geräts an Bord.
    _Ich hab schon nach der ersten Folge eine „frak!“-Phobie.😉 Mal schauen, ob ich mich jemals daran gewöhnen werde.

  2. tvaddictfromgermany on

    Eigentlich müsste ich ja dem weiteren BSG-Newbie erstmal den Vortritt lassen, auch um da die Schreiblust nicht wegen zu viel gesagtem gleich im Keim zu ersticken, aber mir juckt es doch jetzt doch arg in den Fingern. Also bitte nicht vor Wiederholungen zurückschrecken, ich will ja doch die ersten Eindrücke gerne wissen.🙂

    @Sci-Fi-Genre und Vorurteile
    Was ich an der Stelle auf jeden Fall nochmal anbringen will, ist dass man BSG mMn weniger mit den eher romanhaften HBO-Serien vergleichen kann. Sowas wie The Wire versucht die Serie nie zu sein, da nutzt man doch mehr altbekannte TV-Konventionen in abgewandelter Form und mit überraschenden Wendungen, als wie eben bei Simon diese völlig abzulehnen und zu vermeiden. Ich würde jetzt BSG wohl eher mit einer Serie wie Friday Night Lights vergleichen, also eine in der das offensichtliche Genre vielfach Mittel zum Zweck ist und die Story zusammenhält, in der die Charaktere aber immer die erste Geige spielen. Die eine Serie nutzt ein Footballspiel um gewisse Dramatiken aufzubauen, BSG nutzt dafür eben Weltraumschlachten. Interessiert mich beides für sich betrachtet eigentlich eher gar nicht, gehört aber einfach dazu und bildet eben sowas wie das Rückkrat des Handlungsaufbaus. Und ebenso wie FNL hat auch BSG immer mal Elemente, die durchaus auch mal großer Mist sind, also da keine Scheu vor Kritik haben.😉 Die von dir angesprochene Szene mit der Rettung von Apollo durch Starbuck hatte ich bspw. beim Aufschreiben schon wieder völlig vergessen, weil es einfach so gar nichts zum Geschehen beigetragen hatte und ich es offensichtlich schon wieder verdrängt hatte😉 . Kann mich dir da also nur anschließen, das war auch ein Minuspunkt der Folge, eben weil es ein ausgelutschtes Klischee ist.
    Während die angesprochene Ausnahmesituationen in meinen Augen auch wirklich sehr gut umgesetzt waren. Solche Dinge sind es ja, die mich an Sci-Fi-Szenarien so faszinieren. Da gibt es recht einfach Mittel um solche krassen Situationen zu erzeugen und die Menschen mit Entscheidungsgewalt immer wieder vor eigentlich unlösbare Dilemmas (Dilemmen??😉 ) zu stellen. Und in gut gemachten Sci-Fi-Serien gibt das dann einfach immer viel Futter zum Nachdenken und Diskutieren.
    Zu den reinen Actionszenen habe ich ja mittlerweile doch auch eine Art Wertschätzung entwickelt. Das ist so ähnlich wie bei mir bei „Chuck“, das mir den Spaß an gut choreographierten und witzig/aufregend inszenierten Kampfszenen gelehrt hat. Ist jetzt nichts was ich unbedingt brauche oder weswegen ich mir einen Film/ eine Serie anschaue, aber wenn man mit der Zeit merkt dass die Leute die das zusammenstellen einfach Spaß daran haben und es durchaus auch inhaltliche Funktionen hat (also nicht der klassiche Fall einer Autoverfolgungsjagd im 08/15-Ballerstreifen, bei der man ja immer gut aufs Klo gehen kann, weil sich darin ja nie was am Status Quo ändert), dann kann ich das schon auch genießen.

    Die viele Exposition in Dialogen rund um Zack und eben die Cylons ist mir auch negativ aufgefallen. Gerade die Zack-Sache sehe ich jetzt beim zweiten Schauen noch wesentlich kritischer, das hätte es mMn nicht gebracht um die daran beteiligten Charaktere einzuführen und es wirkt eben irgendwie hölzern/aufgesetzt. Und rund um die Cylons hat man halt das Problem, das man da doch recht viel Informationen rüberbringen muss, um gewisse Grundlagen zu schaffen.

    @Starbucks Burschkosität
    Ändert sich noch, keine Sorge. Ich gebs zu, bin gerade bei ihr vorbelastet durch spätere Entwicklungen, ich denke aber mit ihr solltet ihr auf Dauer keine Probleme haben. Da ist Apollo schon eher einer, der einem gerne mal auf die Nerven geht.😉

    @Billy und Duala
    Das stört mich nun wiederum gar nicht, ich mag einfach den Moment, als Adama anhand der beiden beschließt, dass Roslin mit ihrer Aussage „Wir brauchen ganz schnell ganz viele Babys“ Recht hat. *hoffnungsloseRomantikerin*🙂

    Zu deinen Fragen bezüglich der Cylons sage ich lieber mal weniger, das wird größtenteils noch thematisiert werden, wenn auch das meiste noch nicht in unmittelbarer Zeit.
    An sich hast du das alles schon richtig verstanden, es gibt eben 12 humanoide Modelle (ebenso wie es ja auch 12 Kolonien gibt), vier davon kennen wir bereits. Von diesen Modellen gibt es aber verschiedene Versionen, was man besonders an Boomer gut erkennt, d.h. nicht alle Modelle einer Version haben die gleichen Erinnerungen und Erfahrungen gespeichert. Als z.B. Baltars Six in Caprica während des Nuklearangriffs gestorben ist, wurde sie in einem neuen Körper wiedergeboren und hat als einzige eben genau diese Erinnerungen an die Zeit auf Caprica, mit Baltar etc.
    Das aber alles rund um die Gottheit, rund um die Motive von Baltars Head-Six, wie man sie nennen kann, noch völlig undurchsichtig scheint ist normal und würde ich mal behaupten auch stark beabsichtigt.😉

    @Roslins Krebs
    Wird thematisiert werden.

    @Frak-Phobie
    Ohje, dann stehen dir aber harte Zeiten bevor.🙂

  3. moo talaei (@mootalaei) on

    So, jetzt aber! Bin jetzt auch durch mit diesem Mammutpiloten und kann mich Willis Kommentaren größtenteils anschließen. Mit den ganzen „Action“-Szenen im Weltraum konnte ich (wie befürchtet) nur sehr wenig anfangen, aber dadurch, dass der Fokus ja ganz eindeutig auf den Charakteren liegt, hat das den positiven Gesamteindruck nur bedingt geschmälert.

    Mag ja grundsätzlich solche Ausgangssituationen, bei denen eine Gruppe von Menschen mehr oder weniger gegen ihren Willen irgendwo „feststeckt“ und miteinander auskommen bzw. hier sogar zusammenarbeiten, um zu überleben muss (Hmm… warum hab ich eigentlich nie „Lost“ geguckt? :D), von daher bin ich schon sehr gespannt, welche Reibereien, Machtkämpfe, ungeahnte Koalitionen etc. pp. die allgemeine Charakterkonstellation hervorbringen wird. In der Beziehung zwischen Adama und der Präsidentin wurde ja schon angedeutet, dass da immens viel Konflikt- und Storyline-Potential dahintersteckt, bei den anderen wird das aber denke ich nicht anders sein. Gibt jetzt momentan auch noch niemanden, der mich irgendwie nervt oder stört, von daher bin ich offen für alles und freue mich, die Jungs und Mädels mit der Zeit alle noch etwas besser kennenzulernen.

    Willis Kritik an Starbucks kann ich zwar irgendwo nachvollziehen, teile sie aber nicht, da ihre „Burschikosität“ in der Serie selbst (wie Cindy auch meinte) eigentlich überhaupt nicht thematisiert wurde und die Schauspielerin auf mich rein äußerlich auch sehr feminin wirkte. (Finde ja, dass sie mir kurzen Haaren sehr viel besser aussieht als mit langen…)
    Dass misogyne Tendenzen (insbesondere in Bezug auf die Präsidentin) hier weitgehend fehlen, wo man sie erwarten würde, war mir auch positiv aufgefallen, allerdings muss ich dir (Cindy), was die „Geschlechtsneutralität“ angeht, trotzdem widersprechen, weil der grundlegende Aufhänger der ganzen Serie doch im Grunde darauf beruht, dass eine heiße, sexy Blondine einem schwanzgesteuerten Wissenschaftler den Kopf verdreht. Hätte das mit umgedrehten Geschlechterrollen genauso gut funktioniert? Ich wage es stark zu bezweifeln.

    Das ganze Familiendrama um die Adamas war sicherlich etwas klischeebeladen, hat mich aber nicht sonderlich gestört, eher im Gegenteil, Für mich war’s in dem ganzen Dschungel an unterschiedlichen Charakteren mit unterschiedlichen Funktionen und Beziehungen zueinander eigentlich vielmehr ein willkommener Fixpunkt, der einem die Orientierung ein bisschen erleichtert hat. Also ja, definitiv eher ein Thema, das einen schneller ins Geschehen hineinzieht.

    Dafür schließe ich mich Willis Meinung zu dem jungen, urplötzlich im Gang knutschenden Pärchen an. Fand auch, das ging gar nicht. Und in der Szene, als Adama die beiden beobachtet, habe ich ja irgendwie vielmehr damit gerechnet, dass er einen der beiden (eher ihn) als Cylonen enttarnt oder zumindest verdächtigt. *offenbarkeinehoffnungsloseRomanikerinbin*

    @“Head-Six“ und ihre Hinweise an Gaius:
    Ich persönlich hab das ja eher so interpretiert, dass sein Unterbewusstsein (bzw. auch seine Schuldgefühle) da mit ihm spricht und ihre „Hinweise“ nicht zwangsläufig wirklich von ihr kommen. Wobei ihr wahrscheinlich selbst so eine verzwickte Gehirnwäsche zuzutrauen wäre… (Dass Gaius ausgerechnet nen wahren Cylon herauspickt, hatte ich im Übrigen auch nicht wirklich als Zufall verbucht. Hat mich aber definitiv ein wenig irritiert am Ende.)

    Die cleveren Fragen hat Willi ja schon gestellt, daher stell ich mal zum Schluss noch zwei dämliche: Warum hat Gaius den Cylon-Angriff auf Caprica überhaupt überlebt? Wenn Six „gestorben“ ist (das ist sie doch, oder?), hätte er das doch dann auch oder nicht? Und heißt Six jetzt Six, weil sie das sechste Modell der zwölf menschenähnlichen Cylon-Modelle ist? Ich hatte das nämlich zunächst irgendwie so verstanden, dass sie selbst (also die Version, die Gaius kennengelernt hat) in ihrem sechsten Körper steckt und sie ingesamt nur 12 Mal „wiedergeboren“ werden kann. Das hab ich dann aber offenbar fehlinterpretiert, wenn sie offenbar gleichzeitig mehrmals existieren kann…

    Ansonsten fehlt mir bislang eigentlich nur noch ein bisschen der Humor (musste nur einmal kurz wegen irgendeinem XO-Kommentar kichern), aber der soll ja angeblich noch kommen, von daher bin ich für die erste Staffel durchaus guter Hoffnung.🙂

  4. tvaddictfromgermany on

    Und da wir nun alle auf gleichem Stand sind, wie schaut es aus, wann soll es weitergehen mit der ersten (und übrigens sehr außergwöhnlichen) Folge der regulären Staffel? Nächsten Freitag oder soll ich doch versuchen, den Post schon eher zu machen?

    @Katee Sackhoff
    Finde sie auch mit ihrer BSG-S1-Frisur am hübschesten, steht ihr unheimlich gut und bringt wie gesagt ihr strahlendes Lachen so richtig zur Geltung. Wie gesagt, ich find sie bezaubernd.😉

    @Dynamik zwischen Baltar und Six
    Ja, das beruht natürlich auf einem Geschlechterklischee, aber auf eines was meiner Meinung nach kein gesellschaftliches ist, sondern eines in menschlichen Eigenschaften. Soll heißen, dass ich nicht glaube dass in ferner Zukunft, wenn wir dann mal die wahre Gleichberechtigung erreicht haben, manche Männer nicht mehr schwanzgesteuert sind. Das wird wohl erst mit weiterem Schauen so richtig deutlich werden, aber das diese recht simple und altmodische Masche bei Baltar funktioniert hat, wird von der Serie auch als große Schwäche seinerseits behandelt. Dazu kommt noch, dass Baltar so sehr auf Six reingefallen ist lag nicht nur an ihrem Aussehen, sondern daran dass sie Baltar eben so richtig das Ego gestreichelt hat. Und auch hier sagt sie ja mehrfach, dass er es eigentlich hätte wissen oder zumindest was ahnen müssen. Ich kann also deinen Punkt nachvollziehen, emfinde es aber nicht als Gegenbeispiel zur Geschlechtsneutralität, weil die Serie dieses Verhalten immer wieder klar als rückständig und Schwäche einordnet. Und ich bin auch überzeugt, dass die Cylons den Überraschungskrieg auch gewonnen hätten, selbst wenn sie nicht das Wissen durch Six gehabt hätten. Die Vernichtung war so allumfassend, da war das nur ein kleiner Baustein im großen Ganzen. Das entlastet aber natürlich Baltar nicht von seiner Verantwortung im Genozid seines eigenen Volkes.

    @Baltars Überleben auf Caprica
    Es soll wohl so sein, dass Six ihn abgeschirmt hat und dabei gestorben ist und er hat eben überlebt, was aber natürlich realistischer Weise totaler Quatsch ist bei einem nuklearen Angriff. Definitives Logikloch für mich, aber nehmen wir das einfach mal so hin.😉

    @Benenneung der Cylons
    Six ist das sechste der 12 Cylon-Modelle. Die meisten der Cylons haben einen richtigen Namen, bspw. Sharon bzw. Boomer und dann noch eine Nummer, diese werden dann meist mit „No. x“ bezeichnet, bei Six wird es aber fast immer nur so abgekürzt. Auch weil sie keinen festen anderen Namen hat (das liegt aber wohl eher daran, dass man sie als erstes Modell richtig gut kannte und dafür sich dann der Nummernnamen eingebürgert hatte, während man bspw. bei Sharon oder auch Leoben und Doral eben zu erst diese Namen wußte).
    Und ja, die potentielle Anzahl der Reinkarnationen sind unbegrenzt, also nicht nur zwälf mal und es existieren eben mehrer Modelle einer Baureihe gleichzeitig nebeneinander her.

    @Humor
    Kommt immer mal mehr und mal weniger an die Oberfläche, wenn es hart auf hart kommt ist es da aber ehr so wie bei The Wire, dass man sich dann doch erst mal wieder stimmungsmäßig aufbauen muss. Die Humorfolgen liegen daher meist im Mittelteil einer Staffel, wenn es gerade nicht ums Eingemachte geht.😉


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