TV-Season 2012/2013: Die neuen Dramaformate

Nachdem ich vor ein paar Wochen bereits einen Blick auf die neu gestarteten Comedyserien geworfen habe, folgen nun meine Tipps für neue Dramaserien. Wobei ich dort lediglich eine Serie mit ganzem Herzen empfehlen kann, während zwei weitere zumindest weiterhin mein Interesse halten können, auch wenn sie noch einige Schwächen aufweisen. Dabei sind die meisten der neuen Serien gar nicht erst auf meiner Interessenliste aufgetaucht und bisher konnte mich noch keine Mund zu Mund Propaganda davon überzeugen, noch eine weitere auszuprobieren. Kommen wir aber nun zu den drei Serien, die ich auch in den nächsten Wochen noch weiter verfolgen werde:

Vegas

„Vegas“ ist ein schwieriger Fall. Ich würde momentan noch nicht soweit gehen und für die Serie eine absolute Empfehlung aussprechen, dafür passiert mir in diesem Epochenstück noch zu wenig wirklich Einzigartiges. Aber es ist aus meiner Sicht heraus auch weit davon entfernt, eine Enttäuschung zu sein. Da kommt es ja schließlich immer auf die vorher in eine Serie gesetzten Erwartungen an und auch wenn mit Dennis Quaid, Michael Chiklis und Carrie-Ann Moss hier ein großartiger Cast in tollem Setting vorliegt, war doch eigentlich von Beginn an klar, dass sich eine CBS-Serie zunächst einmal als Procedural präsentieren wird. Und das tut „Vegas“ eben, in den bisher gelaufenen drei Episoden hat Sheriff Lamb schön ordentlich einen Mordfall nachdem anderen erledigt und diese Fälle waren leider auch nicht gerade einfallsreich, da besteht sicher noch Luft nach oben (bei der Gelegenheit kann man wieder einmal die Paradebeispiele „Terriers“ und „Good Wife“ anbringen, die schnell begriffen haben, dass nicht die Fälle als solche für Langeweile sorgen, sondern nur wenn man sie immer wieder in Schema F abspult). Aber das ganze Drumherum ist dennoch ansprechend und sorgt für Atmosphäre. Mir gefällt dabei besonders, dass man zwar trotz der Gangsterthematik, gemischt mit ein wenig Cowboy-Flair, nicht versucht mit allen Mitteln irgendwelchen Kabelserien- oder Kinovorbildern nachzueifern. Man versucht bisher nicht so etwas wie die „Sopranos“ oder auch wie ein Copolla/Scorsese-Mafiaepos zu sein, auch was die Ära der frühen sechziger Jahre angeht ahmt man nicht mit aller Gewalt Vorbilder wie „Mad Men“ nach. Denn derartigen Maßstäben könnte man in diesem Sendeumfeld nie gerecht werden und man würde doch immer nur als harmlose Kopie daherkommen. Zudem sind die Gewaltexzesse mit einkalkuliertem Schockeffekt dieser Epen mittlerweile bereits Routine geworden und ich bin froh, dass man hier nicht den gleichen Weg einschlägt.

Bisher konzentriert man sich darauf, den Aufstieg von Las Vegas in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts sowohl aus der Sicht der treibenden Mafiakräfte mit all den inneren Querelen der Organisation, wie aus Perspektive der Verbrechensbekämpfer zu betrachten. Dabei gibt es einen klaren roten Faden in der bisherigen Handlung, wichtige Ereignisse werden deutlich spürbar sofort in der nächsten Episode wieder aufgegriffen (und kommen nicht erst in irgendwelchen Sweeps-Folgen an die Oberfläche) und besonders der Cast weiß zu gefallen. Bisher bin ich jedenfalls durchaus zufrieden und werde sicher für die erste Staffel am Ball bleiben. Dann muss man sehen, wie ambitioniert die erzählte Geschichte daherkam und ein endgültiges Urteil fällen.

Last Resort

Habe ich gerade bei „Vegas“ noch Wert darauf gelegt, dass eine Network-Serie nicht mit allen Mitteln einem Cable-Vorbild nacheifern sollte, muss ich nun bei „Last Resort“ ein wenig das Gegenteil anbringen. Denn „Last Resort“ leidet bei mir gerade enorm durch den unmittelbaren Vergleich zu „Battlestar Galactica“. Das liegt aber eben nicht daran, dass weniger Gewalt und Sex zum Einsatz kommen oder die Moral zu oberflächlich bleibt, das größte Problem hat „Last Resort“ in meinen Augen zum jetzigen Zeitpunkt noch darin, dass die Charaktere zu wenig Ecken und Kanten haben und mir zu oft noch in einfache Klischees abrutschen. Sieht man einmal vom natürlich großartigen Andre Braugher ab, fehlen mir gerade bei Scott Speedman und Daisy Betts noch enorm viel Tiefe. Auch Robert Patrick konnte sich bisher noch nicht durch Originalität auszeichnen und die Inselcharaktere rund um Dichen Lachman bewegen sich doch arg an der Grenze zur Folklore. Da will bei mir einfach der Funke noch nicht so richtig überspringen. Innerhalb der Geschichte gibt es sicherlich einige gute Anzeichen, die Entwicklungen gerade in der 3. Episode waren ganz im Gegensatz zur vorherigen Folge durchaus doppeldeutig und haben kein einfaches Schwarz-Weiß-Bild gemalt, das ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. Aber im Großen und Ganzen ist in meinen Augen „Last Resort“ noch einige Schritte davon entfernt, ein kohärentes Ganzes zu sein. Es ist nichts dabei, was mich so stören würde, dass ich zum jetzigen Zeitpunkt aufgebe, aber es liegt auch nichts vor, dass ich eine unbedingte Empfehlung aussprechen könnte. Wer bei „Last Resort“ noch abwartet, ob sich der Spaß wirklich lohnt, hat jedenfalls noch nichts verpasst.

Nashville

Meine liebste neue Serie ist aber „Nashville“, was wohl auch damit zu tun hat, dass es sich dabei um ein weniger komplexes Konzept handelt, unter dem man sich nach der Beschreibung sehr schnell alles nötige vorstellen kann und das vor allem auf seine Charaktere setzt. Zum einen konnte mich hier bereits der Pilot überzeugen und die zweite Episode konnte diesen guten Eindruck noch weiter vertiefen. Leider sind die Quoten alles andere als gut, so dass ich mir nicht zu viel Hoffnung machen kann, aber bis dahin genieße ich einfach diese gut gemachte Seifenoper. Wie im Vorfeld zu erwarten ist Connie Britton die Rolle einer Country-Diva in den mittleren Jahren wie auf den Leib geschrieben. Was die ihre Qualitäten als Sängerin betrifft, fehlt mir da die nötige Expertise, denn gerade in diesem Genre kenne ich mich so gar nicht aus. Deshalb würde mich die Meinung von musikalisch bewanderten Zuschauern interessieren, wie sie diesen Teil der Serie einschätzen. In meinen Augen funktioniert die Mischung aus aufpoliertem Pop-Country und dem eher authentischen Country, in den lokalen Bars ganz gut. Es ist zwar nicht das Musikgenre, von dem ich mir nun nachher die einzelnen Songs bei i-Tunes herunterladen werde, aber dafür war ich von Vorneherein nicht das richtige Zielpublikum. Man merkt der Serie aber an, dass sie Wert auf Authenzität legt und vor Ort gedreht wird, was ein großer Pluspunkt ist. Dazu kommt ein guter Cast rund um Connie Britton (und ich könnte mir durchaus noch mehr Szenen anschauen, in denen Connie sich Schreiduelle mit Powers Booth liefert) und ein starkes Gebilde rund um die beiden Songwriter/Performer Paare aus Rayna und Declan und Scarlett und Gunnar. Hayden Panettieries Charakter wirkt manchmal noch wie aus der Klischeemottenkiste herausgeholt, aber ich muss sagen, ich bin auch ein wenig beeindruckt wie sehr sie sich trotzdessen doch auch in mein Herz spielen konnte. Ich habe da durchaus Hoffnung, dass man sie nicht als eindimensionale Antagonistin belassen wird, was der ganzen Dynamik nur gut tun könnte. Doch, „Nashville“ macht Spaß und bietet sehr gute Unterhaltung auf zwischenmenschlicher Ebene. Nach dem Ende von „L.A. Complex“ könnte also „Nashville“ gut dessen Platz  in meinem Serienrepertoire übernehmen.

Und nun zu euch, habt ihr schon einen neuen Dramafavoriten in der neuen Season gefunden? Sollte ich doch noch in einer der anderen neuen Formate hineinschauen? Und was haltet ihr von meinen drei Favoriten?

2 comments so far

  1. moo talaei (@mootalaei) on

    Hatte für „Nashville“ und „Vegas“ leider noch keine Zeit (wobei mich letzteres wegen der CotW-Lastigkeit ehrlich gesagt gar nicht sooooo interessiert), würde mich da aber auf alle Fälle auch über ein Zwischenfazit gegen Staffelmitte freuen, damit ich weiß, ob sich’s lohnt aufzuholen.

    Bei „Last Resort“ hingegen bin ich zwar auf aktuellem Stand, verspüre aber echt bei jeder Folge den akuten Drang abzuschalten, weil mich dieser unfassbar penetrante und theatralische Score so dermaßen aufregt. Finde die Grundidee und -geschichte ja eigentlich schon auch recht spannend, aber was die Umsetzung angeht, machen die halt meines Erachtens leider genau das falsch, was „Homeland“ seit anderthalb Staffeln richtig macht: Sie machen Patriotismus zum großen Thema und dadurch schwingt halt echt überall ein gewisser Pathos mit, der mich stellenweise fast schon unangenehm an FlashForward erinnert. Ich werde zwar vorerst (allein wegen Andre Braugher) wohl noch dranbleiben, aber die große Offenbarung erwarte ich nicht mehr.

  2. tvaddictfromgermany on

    Zwischenfazit zu „Nashville“ gibt es bestimmt irgendwann, da bleib ich ganz sicher dran. Wenn du da aber irgendwann doch mal reinschaust, würde mich dein Urteil (besonders zum Musikanteil) aber wirklich sehr interessieren. Bei „Vegas“ muss ich dann mal sehen, dass wird sicher immer mal wieder auf die lange Bank geschoben.

    „Last Resort“ sehen wir offensichtlich ziemlich ähnlich, mal schauen was die neue Folge von dieser Woche bringt, die soll ja angeblich so toll sein. Ich komme selber wohl erst in ein paar Tagen dazu.


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