Verfügbarkeit unter der Lupe: Einleitende Worte

Für uns Serienfans, mit dem speziellen Schwerpunkt der englischsprachigen Formate, zumeist eben aus den USA, ist es oft ein Spiel mit den rechtlichen Grauzonen bis hin zu bewussten Gesetzesüberschreitungen an die begehrte Ware zu gelangen. Dabei spielen zwei Faktoren eine ganz besondere Rolle, die Schnelligkeit, also die zeitliche Verfügbarkeit besonders nahe am Originalausstrahlungstermin und die Verfügbarkeit im Originalton. Denn wer mit dem besonderen Virus der Sucht nach Qualitätsserien einmal angefixt ist, tut sich schwer damit, wieder auf die althergebrachten Wege des monatelangen Wartens auf neuen Stoff, und dann noch in abgeschwächter, eben synchronisierter Form zurückzugreifen. Natürlich ging es früher, im Vor-Internet-Zeitalter auch anders, aber damals gab es die heutigen Mittel und Möglichkeiten noch nicht und allein die Spoilergefahr bei Twitter ist ein wichtiger Grund, warum der Zuschauer und somit eben der potentielle Kunde nicht mehr warten kann.

Dabei stellt sich mir die Frage, wie es nun wirklich mit dem Angebot an Frischware im deutschen Raum (TV und Internet) aussieht. Kann man als Hardcore-Serienfan mit etwas Investitionen und einigen Abstrichen wirklich auf illegale und halblegale Methoden verzichten? Dabei meine ich hier nicht diese Scheinlösungen wie den US-i-Tunes-Shop, über den man zwar so ziemlich fast alles kaufen kann, was aber laut den Apples-Geschäftsbedingungen dennoch nicht erlaubt ist. Und solange die Ideallösung, eine Art internationales Hulu noch nicht existiert, sind wir auf nationale Lösungen angewiesen.

Mit dieser Reihe versuche ich die Beispiele zusammenzutragen, wie der Zuschauer hier in Deutschland legal an Serien kommen kann. Dies dient in erster Linie dem Zweck, mir selbst einen Überblick zu verschaffen und nebenbei vielleicht gleich anderen diese Informationen zur Verfügung zu stellen. Ziel ist es auch, in gewissen Abständen auf das Thema zurückzukommen und Veränderungen nachzuvollziehen. Als Schwerpunkte sollen dabei das Pay-TV und Streaming- und Downloadportale (wie das deutsche i Tunes, Maxdome und auch Lovefilm) dienen. Dabei spielen eben die Faktoren der „Frische“ (verstrichene Zeit zwischen US-Termin und der deutschen Verfügbarkeit) und der Originalton eine Rolle, auf die ich mich konzentriere. Mit wenigen Ausnahmen (auf die ich an gegebener Stelle eingehen werde) betrachte ich zudem nur aktuell laufende Serien, also keine Wiederholungen. Bevor es richtig los geht aber noch ein paar Worte zum deutschen Free-TV.

Denn auch im ganz normalen, frei zugänglichen Fernsehen tut sich durchaus etwas, wenn es um das zeitnahe Ausstrahlen von Serien geht. In den letzten Monaten ging das FOX-Format „Touch“ international fast zeitgleich an den Start, nur wenige Tage nach der US-Premiere lief hier bei ProSieben die entsprechende Folge. Ein mehr als löblicher Ansatz (wobei dem wahren Fan hier natürlich immer noch die Möglichkeit, im Originalton zu schauen fehlt), der aber leider nicht funktioniert hat und mit miesen Quoten bestraft wurde. Ich hoffe nun inständig, dass dies nicht der letzte Versuch in dieser Richtung war. Denn meiner Ansicht hat der Zuschauer nicht das Konzept abgelehnt, sondern die Serie als solche (die auch in den USA nach sehr gutem Start mächtig floppte). Warum man einen solchen Schritt ausgerechnet mit einer neuen Serie wagte, von der keiner einschätzen kann, ob der Zuschauer sie annimmt, kann ich nicht so recht nachvollziehen. Wenn man ein solches Ausstrahlungsmodell mit einer Serie probiert, die beispielsweise auf dem deutschen (und eben auch US-) Markt schon erprobt ist, sagen wir ein „Two and a Half Men“, „Grey’s Anatomy“ oder auch „Die Simpsons“, die sich ja auch bei den Torrentcharts immer ganz weit oben befinden, dürfte das aus meiner Laiensicht doch viel mehr Erfolg haben. Ich weiß nun nicht, ob es an der Stelle Probleme mit den Lizenzen gibt, vielleicht kann man ein solchen Handel ja nur mit einer Serie abschließen, zu der noch keinerlei Verträge existieren (falls einer meiner Leser mehr dazu weiß, würde ich mich über Input in den Kommentaren sehr freuen). Generell ist dies aber der Schritt in die richtige Richtung, denn er bietet dem mündigen Zuschauer eine attraktive, legale Option seine Serien zu schauen. Und das im Free-TV!

Aber auch an anderer Stelle wurde in den letzten Monaten herumexperimentiert und viele dieser Experimente waren durchaus auch von Erfolg gekrönt, RTL II hatte eine goldrichtige Idee mit der Eventprogrammierung von „Game of Thrones“ und „Walking Dead“. Dabei ist natürlich der Zeitabstand zur US-Ausstrahlung immer noch recht lang gewesen, aber man kam so der beliebten Methode des bingen, wie es im englischsprachigen Raum heißt (viele Folgen am Stück und in kurzer Zeit Schauen) entgegen. Zudem ist die erfolgreiche Ausstrahlung von „Spartacus“ bei ProSieben auf dem unerprobten Sendeplatz am Freitagabend, aber vor allem die parallele freie Ausstrahlung bei myVideo (auch im Originalton und ungeschnitten), zu erwähnen. All dies sind ernstgemeinte Versuche der deutschen Sender, den neuen Sehgewohnheiten der Zuschauer entgegen zu kommen. Zudem bin ich der Überzeugung, dass es nicht die primäre Aufgabe der deutschen Sender sollte, die US-Ware überproportional im Programm zu haben, sondern sie sollten mehr deutsche Stoffe (jenseits von Schmachtfetzen im historischen Kontext mit Alexandra Neldel in der Hauptrolle) auf internationalem Niveau produzieren. Aber dies ist ein anderes Thema und soll deshalb hier nur am Rande erwähnt werden.

Diese Serie von Texten wirft also einen Blick auf das Angebot an US-Serien im deutschen Raum und den ersten Überblick dazu findet ihr zum Thema Pay-TV, danach folgt eine Übersicht über Möglichkeiten des legalen Downloads und Streamings Da ich bei meinen Recherchen auf meine eigenen Input angewiesen bin, kann ich natürlich nicht für Vollständigkeit garantieren, wer also weitere Sender, Internetseiten oder auch internationale Sender, die im Netz in Deutschland verfügbar sind kennt, dem wäre ich über Feedback sehr dankbar.

2 comments so far

  1. moo talaei (@mootalaei) on

    Na da bin ich mal seeeehr gespannt, was bei deinen Recherchen so alles rauskommt.🙂

    @zeitnahe Ausstrahlung im Free-TV:
    Ich glaube, bei „Touch“ hat das nur deswegen funktioniert, weil die Serie als Midseason-Format wahrscheinlich schon seit ner Weile abgedreht war und entsprechend vorzeitig synchronisiert werden konnte, während man bei aktuell laufenden/produzierten Sachen wie GA oder TAAHM ja nicht alle Folgen auf einmal synchronisieren kann, sondern erstmal warten muss, bis zumindest die Hälfte der Staffel gelaufen bzw. verfügbar ist. Es lohnt sich ja schließlich nicht (bzw. ist rein logistisch wahrscheinlich gar nicht möglich), alle fünf Folgen erneut die Synchronsprecher ins Studio zu holen, weshalb man lieber gleich ne ganze oder zumindest halbe Staffel am Stück macht. Ich glaube wirklich, dass die Zeit und die Kosten, die mit der Synchro verbunden sind, hier (ironischerweise) das größte Hindernis darstellen. Ist ja auch bei Filmen so, dass Deutschland die im Vergleich zu anderen Ländern ohne Dubbing-Tradition immer erst sehr spät im Kino zeigt.

    • tvaddictfromgermany on

      Sorry, dass Reaktionen hier so lange auf sich haben warten lassen, man sollte seine Veröffentlichungen lieber nicht direkt vor Kindergeburtstage legen;
      Mit der Synchro hast du natürlich vollkommen recht, den Punkt hatte ich bei meiner Argumentation gar nicht so genau bedacht. Ich frage mich da in dem Zusammenhang auch, wie das bei den Serien ist, die im Pay-TV innerhalb von 5 Tagen ausgestrahlt werden, so wie ich das mitbekommen habe ist „The Walking Dead“ auch mit der Produktion gar nicht so weit vroazs. Da spielt aber natürlich auch so was wie die kurzen Staffeln der Cable-Serien mit rein, die dann natürlich besser in einem Rutsch synchronisert werden könne.
      Ein weiterer Faktor bei den normalen Network-Shows, die über 20 Folgen von Herbst an laufen, ist das die deutschen Sender sich auch nicht so abhängig von den gestückelten Rhytmen der Amis machen wollen. Hier laufen die Serien ja doch meist am Stück durchgängig, meist nur zweigeteilt, was ja auch dem geschuldet ist, dass man nicht bis zum Ende der Staffel warten will. Ist sicher alles nicht so einfach, wie es für den Fan manchmal auf den ersten Blick erscheint. Eine reelle Chance auf mehr Frischware im Free-TV gibt es dann wohl erst. wenn die Amis insgesamt auch im Network auf kürzere, übers Jahr verteilte Staffeln umstellen (wie man es ja auch bei 24 und Lost gegen Ende gemacht hat). Aber ob sich das wirklich durchsetzt, ist ja auch nicht wirklich klar.


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