Bunheads „Pilot“

Ich bin noch etwas zwiegespalten nach dem Piloten zur lang erwarteten neuen Sommerserie „Bunheads“. Sicherlich kann man jetzt schon sagen, dass dies wohl keine Pilotfolge, die in die Annalen der Seriengeschichte eingehen wird, ist. Dafür waren doch viele Elemente zu gewollt und zu durcheinander, aber es gab doch auch vielversprechendes darin zu entdecken. Und man kann es nun wirklich nicht leugnen, dass Amy Sherman-Palladino wieder zu ihren Wurzeln zurückgekehrt ist und mit „Bunheads“ alte Dynamiken wieder aufleben lässt und alte Macken noch einmal durchexorziert. Aber für meine Begriffe ist dies auch gar nicht schlimm, denn all die „Gilmore-Girls“-Momente haben mir doch sehr gefallen und mir auch in Erinnerung gerufen, was einem ohne diese Dinge im TV-Leben so fehlt.

Neben den eher die Stimmung beeinflussenden Kleinigkeiten wie das quirlige Kleinstadt-Setting und den schnellen Dialogen, sind dies vor allem solch genau beobachteten Frauenfreundschaften quer durch die Generationen. Bei den „Gilmore Girls“ waren dies eben Rory und Lorelai, Lorelai und Emily und zu einem geringeren Anteil auch Emily und Rory und hier ist mit Kelly Bishop ein Kernelement dieser Dynamiken wieder mit von der Partie. Sutton Foster fügt sich durchaus geschmeidig und mit viel Charme in diese doch leicht bekannte Beziehungsgefüge ein, was schon immer sehr davon lebte, dass die Chemie zwischen den talentierten Darstellern stimmt. Dabei musste man sich wohl um Foster-Bishop von Anfang an nie Gedanken machen und wirklich überzeugen die beiden Damen gleich auf ganzer Linie, besonders als sie dann gegen Ebnde miteinander interagieren und klare Worte austauschen. Ein großer Anteil am Erfolgsrezept der „Gilmore Girls“ war aber auch, dass diese Frauenfreundschaften in guten wie in schlechten Zeiten, und eben oft unabhängig von irgendwelchen Männergeschichten betrachtet wurden. Hiervon verspreche ich mir hier viel, denn Michelle und ihre neue Schwiegermutter Fanny haben neben dem Sohn beziehungsweise dem Ehemann eben noch viel mehr gemeinsam, besonders aber das Tanzen. Generell ist dies ein Thema, was mich nun nicht automatisch interessiert, aber da Sherman-Palladino selbst auch aus der Welt des Balletts kommt und daher sicherlich weiß wovon sie redet, lerne ich dabei doch gerne etwas Neues dazu. Schließlich gehöre ich nicht zu den TV-Zuschauern, die sich dieselbe Thematik immer und immer wieder anschauen müssen, im Gegenteil, ich lasse mich gerne von neuen Themen mitreißen.

Kommen wir aber nun zu den Problemen, das ist für mich vor allem die unheimlich seltsame und durchaus auch verstörende Grundprämisse, wie es Michelle überhaupt nach Paradise, den Ort des Geschehens, verschlägt. So sympathisch und nett Alan Ruck als ihr Verehrer (oder Stalker?) Hubbel auch ist, so abstoßend finde ich die ganze Geschichte rund um diese Spontanhochzeit, motiviert von Geld, Geschenken, dem Versprechen eines neuen Lebens und all solchen altertümlich, märchenhaften Dingen. Aber eben nicht von der romantischen Sorte, denn auch wenn ich glauben kann, dass Michelle ihren Verehrer in einer solchen Spontantat heiraten würde, ihm nach Hause zu folgen und zu glauben, damit ihr Leben zu ändern geht einfach nicht in meinen Kopf. Diese Beziehung hat doch wirklich sehr, sehr viele Elemente eines reichen Prinzen, der sich seine Prinzessin einkauft (zumal er sie ja nun auch nicht lieben wird, weil er ihr Wesen so gut kennt, das beruht ja alles auf Äußerlichkeiten). Dieser bedenklichen Grunddynamik entsorgt man sich nun mittels eines Schockers am Ende der ersten Folge, denn Alan Ruck hat diese wohl nicht überlebt. Das löst vielleicht ein Problem der Geschichte, in dem man sich mit der Beziehung nicht weiter auseinandersetzen muss und somit zahlreiche Fettnäpfchen umgehen kann, aber nun kommt es darauf an, wie man mit der tragischen Meldung umgehen wird. Nimmt man es zu leicht schadet man den beiden zentralen Charakteren Michelle und Fanny, nimmt man es zu schwer, geht die lockere Grunddynamik vielleicht verloren. Das wird sicher nicht einfach, aber ich hoffe um des hohen Unterhaltungswerts der beiden Darstellerinnen und der Dialoge, dass der Spagat gelingt.

Noch nicht näher eingegangen bin ich auf die vier jungen Mädchen, um die es wohl in Zukunft noch mehr gehen wird. Das liegt daran, dass alles bisher Gesehene noch nichts wirklich Interessantes bietet. Das ist im Moment noch nichts Schlechtes, zumal in der Audition-Szene auch eine sehr gute Dynamik zwischen Michelle und den Bunheads entstanden ist. Bewegt man sich diesbezüglich weiter auf diesem Niveau, dann kann daraus noch einiges werden, obwohl ich momentan definitiv wegen der beiden älteren Damen einschalte. Aber das ist aufgrund meiner durchaus lange zurückliegenden Teenie-Zeit ja auch kein Wunder.

3 comments so far

  1. moo talaei (@mootalaei) on

    „ich hoffe […] dass der Spagat gelingt“
    Hihi, musste bei der Wortwahl eben ganz breit grinsen.😀

    Bin größtenteils deiner Meinung, wobei ich sagen muss, dass ich die im Grunde total dämliche Spontanhochzeit hier eigentlich recht gelungen inszeniert fand. Für mich war’s einfach mal erfrischend, dass man nicht wieder auf die große Liebe auf den ersten Blick zurückgriff, sondern so ne eindeutig einseitige Geschichte gewählt hat. Und klar ist sowas äußerst bedenklich, aber ich fand Hubbel zumindest insofern gut gezeichnet, dass man (bzw. ich) wirklich das Gefühl hatte, dass er über reine Äußerlichkeiten hinaus etwas für sie empfindet und dass er sie auch nicht wirklich mit Geld und materiellem Firlefanz um den Finger gewickelt hat, als vielmehr mit der Möglichkeit, ein völlig neues Leben in einer völlig neuen Welt anzufangen, wo sie sein kann, wer sie wirklich ist oder sein will. Von daher ging die Hochzeit für mich als Grundprämisse schon in Ordnung, auch wenn’s weder sonderlich realistisch noch „richtig“ war. Ich konnte zumindest beide Motivationen nachvollziehen. Find’s momentan auch eher schade, dass die Beziehung der beiden sich wohl nicht weiterentwickeln wird können.

    • tvaddictfromgermany on

      Hihi, Spagat🙂 Und das wo ich doch meinen sich immer wieder einschleichenden Verschreiber mit den Analen schon vermieden habe.😉

      Was die Prämisse angeht, ich finde da das mit der Hochzeit irgendwie so völlig daneben. Wenn er jetzt so aus der vorher bestehenden Dynamik heraus ihr das Angebot gemacht hätte, vielleicht einen Job von ihm in dem Nest anzunehmen, mit irgendwelchen guten Aussichten, dem Potential einer Love-Story etc. pp., das wäre für mich irgendwie passender gewesen. Dann hätte man ihn nämlich auch in der Story behalten können (ich mag nämlich Alan Ruck echt gerne und hätte gerne mehr von ihm gesehen und auh als Love Interest für Michelle), so dass es sich entweder eben entwickelt, oder eben nicht. Aber wahrscheinlich hat man durch die Hochzeit jetzt eben eher ’ne Situation, dass sie bleiben muss, vielleicht erbt sie was? Ich hoffe nur, sie ist nicht schwanger nach der einen Nacht.

      • moo talaei (@mootalaei) on

        „Aber wahrscheinlich hat man durch die Hochzeit jetzt eben eher ‘ne Situation, dass sie bleiben muss, vielleicht erbt sie was?“
        Denke auch, dass das die Motivation dahinter war. Verstehe da aber nicht so ganz bzw. nur bedingt, weshalb Hubbel deswegen gleich ins Gras beißen musste. Man hätte ihn IMO ruhig behalten können.


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