Girls „Vagina Panic“

Nach dem Piloten von „Girls“ war ich zwar angetan von der Serie, aber all die Lobeshymnen der Kritiker konnte ich dennoch nicht so ganz nachvollziehen. Aber nach der zweiten Episode muss ich sagen, ich komme langsam dorthin und fand diese wirklich ausgesprochen toll. Mir hat der viel lockerere Stil, mit relativ wenig Handlung, mehr einem zusammenhängenden Abschnitt Zeit sehr zugesagt, ich fand die Dialoge alle zu gleichen Teilen zum Lachen und zum Fremdschämen (aber auf eine gute Art und Weise) und besonders Hannahs völlig abstruser Gedankengang bei ihrer Untersuchung hat es mir wirklich angetan.

Eines erscheint mir hier völlig klar, niemand könnte  nach der Folge behaupten, diese vier Mädels ständen irgendwie stellvertretend für alle Frauen. Dafür war allein die herrliche Szene auf der Parkbank zum Thema, wer denn nun all die Ladys sein sollen, zu eindeutig. Auch das Verhalten dieser jungen Frauen ist viel zu spezifisch, um es auf eine Allgemeinheit zu projizieren. Aber viele der Momente in dieser Folge kratzten doch an Erfahrungen und auch Gedankengängen, die man als Frau irgendwann mal in seinem Leben hatte. Dass dies aber eben in so einer individuellen Umgebung geschieht und nicht in einer verallgemeinernden, macht es für mich durchaus zu etwas Besonderem. (Todd VanDerWerff fasst dies schön in seiner Review zusammen, auch wenn ich mit seiner Einschätzung, diese Folge wäre so gut wie die von ihm angeführten Beispiele nicht ganz mitgehe. Sie ist sehr gut, ich würde ihr sicher mindestens 8 Punkte in der myFanbase-Wertungsskala geben, aber für mich noch nicht auf diesem enrom hohen Niveau.)

„You couldn’t pay me enough to be 24 again.“ bringt es für mich am allerbesten auf den Punkt. Wenn ich mich an manche Dinge aus meinen frühen Zwanzigern erinnere, dann muss ich nur mit dem Kopf schütteln, am allermeisten über meine völlige Überzeugung von meiner eigenen Wichtigkeit. Dennoch hat man damals tief und fest daran geglaubt. Die Betrachtungsweise von „Girls“, diesen totalen Wahnsinn der sexuell-freizügigen Jugend, ohne Richtung und Bedeutung im Leben mit viel Sarkasmus zu hinterfragen, ohne die Charaktere als vollkommen lieblos darzustellen, finde ich wahnsinnig interessant. Dazu kommen gleich vier denkwürdige Szenarien in nur einer halbstündigen Episode (die beiden Sexszenen am Anfang, Hannahs spektakulär gescheitertes Bewerbungsgespräch und eben ihre Untersuchung beim Frauenarzt), was eine beachtliche Quote ist.

Einziger Kritikpunkt meinerseits dreht sich um Jessas Abtreibung. Erstens werde ich mit ihr als Charakter noch nicht so recht warm, wobei ich sicher ein fast gleiche Reaktion auf dieses abstruse Selbsthilfebuch wie sie gehabt hätte, und zweitens bin ich mir noch nicht so richtig sicher, was ich davon halte, dass sie eben offensichtlich gar nicht schwanger war. Geht man nicht erstmal zum Arzt und macht dann den Abtreibungstermin? Oder bin ich da zu sehr von einem voll ausgeprägtem Gesundheitssystem verwöhnt? Die Behandlung des Themas Abtreibung für diese Frauen, die einerseits kein Riesending draus machten, dennoch aber durchaus mit der Bedeutung zu kämpfen hatten, war durchaus OK, vor allem wesentlich passender als alles was man sonst aus dem US-TV gewöhnt ist. Insgesamt bin ich damit aber nicht zu 100% warm geworden. Dies bleibt aber nur ein kleiner Abstrich einer ansonsten sehr gelungenen Episode, vor allem wenn man bedenkt, wie viel Mühe andere Serien zu diesem Zeitpunkt haben, ihren eigenen Stil zu finden.

5 comments so far

  1. moo talaei (@mootalaei) on

    Ich bin immer noch underwhelmed. Find’s einfach nicht sonderlich lustig und die Fremdscham-Momente funktionieren für mich leider auch nur bedingt, weil mir die Mädels (bis auf Marnie vielleicht) immer noch ziemlich egal sind. Bei „Louie“ funktioniert sowas ja vor allem auch deswegen so gut, weil Louie halt ein so grundsympathischer Typ ist, bei dem’s dementsprechend auch immer gleich so richtig wehtut, wenn er mal wieder in irgendein Fettnäpfchen tritt. Hier hingegen ist insbesondere Hannah so angelegt, dass es immens schwierig ist, mit ihr Mitleid zu haben oder sich über ihre depperten Aktionen überhaupt irgendwie emotional aufzuregen. Wobei „Louie“ bei mir ja auch paar Folgen gebraucht hat, von daher hoffe ich einfach mal, dass ich im Laufe der nächsten Folgen doch noch mit den Charakteren warm werde.

    Den Copout mit Jessa fand ich übrigens ebenfalls grenzwertig.

  2. tvaddictfromgermany on

    Hannah soll ja auch gar nicht als Sympathiefigur funktionieren und auch Marnie hat für meine Begriffe hier mit ihrem total selbstzentriertem Verhalten im Wartezimmer, á la sie runiert die von mir organisierte Abtreibung durchaus ordentlich was weggekriegt. Aber das ist natürlich immer so ein gewagtes Spiel mit diesen Charakteren, die so klar unsympathisch angelegt sind aber aufgrund ihrer Stellung in der Serie immer vom Zuschauer verlangen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Genau das ist ja ganz lange mein Problem mit Walter White gewesen und ich kam da ja auch nie so richtig drüber weg, es ist einfach so ein Risiko was man eingeht, wenn man diese Antifiguren in den Mittelpunkt rückt, dass man als Zuschauer entweder damit mitgehen kann, oder eben nicht. Bei mir funktioniert es hier wunderbar, ich hab so eine seltsame Mischung aus Faszination (wie der berühmte Autounfall) und Amüsement. Ich kann aber sehr gut nachvollziehen, wenn es einem nicht so geht.
    Louie ist für mich ja beispielsweise auch nie ein richtiger Sympathieträger, von ihm bin ich auchmehr fasziniert als dass ich ihn mag. Das allerdings schon sehr.

  3. moo talaei (@mootalaei) on

    Ich hab nichts gegen unsympathische Charaktere per se. (Hello? Don Draper? Pete Cambell? Walter White?) Bei mir funktioniert bei solchen halt bloß dieser Fremdscham/Autounfall-Humor nicht. Zumindest ist es die einzige Erklärung, die mir dafür einfällt, dass ich die angeblichen LOL-Momente der Serie bisher einfach nicht lustig fand. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr bin ich überzeugt, dass ich mit der Serie deutlich mehr anfangen könnte, wenn’s ein ganzstündiges Drama wäre und keine halbstündige Comedy.

  4. moo talaei (@mootalaei) on

    PS: Wie kann man Louie nicht mögen? Ich find ihn zum Knutschen.

    • tvaddictfromgermany on

      @Louie
      Ist ja nicht so, dass ich ihn doof oder unsympathisch finde, nur würde mir bei ihm dass ich ihn mag so auf rein zwischenmenschlicher Ebene wohl erst an 3. oder 4. Stelle einfallen. Trotzdem hab ich gerade enorme Lust bekommen, mal noch die paar mir fehlenden Episoden von „Louie“ aufzuholen.😉

      @Unsympathische Charaktere vs. Humorveständnis
      Um von vorneherein Missverständnisse auszuschließen, mir ist klar dass es bei dir nicht daran liegt, dass Hannah nun kein nettes Mädchen ist.😉 Und wahrscheinlich hast du Recht, bei Comedys ist alles noch viel, viel subjektiver und letztenendes davon abhängig, ob man lachen kann oder nicht. Und dafür gibts eigentlich keine wirkliche Erklärung.

      Die Sache mit den Antiheroes finde ich dennoch immer ganz spannend, diesmal auch eher nicht aus dem Versuch, das große Ganze zu verstehen sondern mich selber.😉 Wenn ich mir so mein eigenes Verhältnis zu manchen Charakteren angucke, dann merke ich da schon dass ich da viel konservativer als manch andere Zuschauer bin. Bei MM weiß man ja anfangs noch nicht viel über Dons dunkle Seite, er ist schon der klare Held, vielleicht mit leichten Macken aber die Tiefe von dessen Problemen erfährt man erst mit der Zeit. Ein ähnlicher Fall ist ja auch Brody aus Homeland. Klar sind beide keine strahlenden Helden im klassischen Sinne, aber man kann sie schon als Charaktere sehen, wo man anfangs erstmal vom Guten ausgehen kann. Pete ist da schon wieder ganz anders und so wie er anfangs präsentiert wurde (Pete, das Wiesel) mochte ich ihn auch nicht. Und wäre Pete damals der Protagonist gewesen, ich weiß nicht ob das dann my cop of tea gewesen wäre. Das sieht mittlerweile ganz anders aus, auch weil man ihn so viel besser kennt.

      Eine klare Linie ist bei mir oft drinne, wenn es ins Kriminelle abdiftet. Ich hab einfach nicht viele Toleranz für Helden (wohlgemerkt, nicht Charaktere) die ihre eigenen kriminellen Machenschaften (speziell wenn es dann in Richtung Mord geht) nach außen als irgendwas Sinnvolles (in Ermangelung eines besseren Wortes, besser fällt es mir gerade nicht ein) rechtfertigen. Und dann eben mit Shows, die von mir erwarten dass ich das cool finde oder ähnliches. Das ist bei BrBa mein Hauptproblem gewesen (wobei die Resonanz in Richtung Coolness da eher von den Fans und Zuschauern kam, weniger aus der Serie selbst hinaus), aber auch bei Sons of Anarchy hatte ich damit enorme Probleme und bin deshalb nicht dabei geblieben. Auch bei „The Shield“ bin ich noch nicht richtig reingekommen, weil ich nicht an den Charakter von Vic Mackay rankann. „Justified“ hat für mich auch oft dieses Problem, da eben aus der Elmore Leonard Welt heraus viel Aufmerksamkeit irgendwelchen Kriminellen gewidmet und diese damit für mich irgendwie glorifisziert werden.

      Das ist noch einmal ein ganz anderes Kaliber als die Dämonen, die ein Don Draper so mit sich rumträgt. Klar, der ist sicher auch kein lieber, harmloser Kerl, aber er ist auch kein Mörder und Drogendealer. Diese Grundmotive machen für mich jedenfalls einen enormen Unterschied aus und ich bin es momentan einfach auch ein bisschen leid, dass so viele Geschichten innerhalb dieses kriminellen Milieus spielen. Klar, wenn es um Leben und Tod geht kann man besser Spannung erzeugen, aber ich bin das im Moment einfach ganz schön überdrüssig, so ganz allgemein gesprochen.

      Und das hatte jetzt alles gar nichts mit „Girls“ zu tun, ist mir aber dennoch aktuell durch den Kopf gegangen.😉


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