„Luck“ wurde abgesetzt, warum ich traurig bin

Die Nachricht gestern, dass bereits das dritte Pferd bei den Dreharbeiten zu „Luck“ tödlich verunglückte, hat bereits ein ungutes Gefühl ausgelöst und heute morgen kam dann die dennoch überraschende Gewissheit, dass die Produktion zur 2. Staffel mit sofortiger Wirkung eingestellt wurde. Aufgrund dieser Entwicklungen rund um die Serie, werde ich an dieser Stelle schon meine Einschätzung zu den ersten vier Episoden, die ich bisher gesehen habe einmal zusammenfassen und dann sicher bald wieder zum aktuellen Stand vorstoßen.

Wenn ich es mit etwas Abstand betrachte, überrascht es mich nicht, dass man nun bei „Luck“ den Stecker zieht. Wie Alan Sepinwall in seinem Post-Mortem-Artikel schreibt (weitere aufschlussreiche Interpretation zu den wahren Ursachen und den Auswirkungen von Jaime Weinman  und Tim Goodman)  ist David Milch selbst ein großer Pferdefreund und wahrscheinlich eine treibende Kraft hinter dieser Entscheidung. Dennoch ist es für mich als Mensch, der sowohl dem Rennsport, aber auch sämtlichen Tierschutzbemühungen sehr neutral gegenüber eingestellt ist, bereits von Beginn an eine Frage gewesen, wie der Widerspruch zwischen den offensichtlichen Pferdeliebhabern und dem genauso offensichtlichem Sport, der diese Tiere zu Tode schindet (auch wenn sie nicht direkt bei einem Unfall sterben) erklärbar ist. Für mich persönlich ist ein Pferd kein Tier welches irgendwelche Emotionen in mir auslöst, aber wie all die Männer vom Schlage eines Walter Smith die Tier so sehr lieben, sie aber eben auch so sehr schinden, will mir einfach nicht einleuchten.

Diese Frage schwebt bei mir durchaus immer mit, wenn ich „Luck“ schaue, aber ich muss dennoch sagen, dass mich die Serie unheimlich fasziniert. Es gibt ja durchaus eine breite Schicht (auch ernstzunehmender) Kritiker, die „Luck“ als langweilig abtun, aber ich selbst habe dieses Empfinden überhaupt nicht. Wie schon bei „Deadwood“ hat mich die Atmosphäre und dieses Gefühl der Subkultur auf der Rennbahn vollkommen in ihren Bann gezogen. Es gab durchaus einige Stellen, an denen ich dem Plot nicht wirklich folgen konnte, besonders das Claim-Rennen in der 2. Folge gab mir einige Rätsel auf, aber nie hat mich dies daran gehindert, die Stimmung in mich aufzusaugen. Ich finde die Charaktere, besonders die vier Wettvögel um Marcus und Jerry und die Art der Gemeinschaft, die sich zwischen ihnen gebildet hat wahnsinnig berührend  und ich mag den Blickwinkel der Serie auf  die Jockeys der Szene. Auch das Geschehen rund um Ace finde ich faszinierend, besonders weil die beiden alten Herren Dustin Hoffman und Dennis Farina großartig miteinander harmonieren.

Zu meinen bisherigen Highlights gehört das großartige erste Rennen von Gett’n Up Morning und die Nachwirkungen von diesem, vor allem die „Rettung“ Jerrys aus den Fängen seiner Sucht. Überhaupt merkt man der Handlung rund um Jerrys Sucht die tiefe, persönliche Erfahrung Milchs an. Dieses Rennen hatte aber auch in dem Sinne eine geniale Wirkung, weil es so wunderbar demonstriert hat, welche Charaktere eben daran teilhaben und dieses Erleben, und welche außen vor bleiben (Leon beim Joggen, Ace ist natürlich auch nicht anwesend, Jerry verliert sich im Spiel). Aber auch viele andere kleine Momente haben sich bisher in mein Serienherz geschlichen.

Ich kann es nach so kurzer Zeit noch nicht richtig artikulieren (und hoffe, dass mir das gegen Ende der Serie besser gelingen wird), warum mein Herz hier voll bei der Sache ist, aber Fakt ist, dass „Luck“ dieses ganz seltene Gefühl in mir auslöst, wenn einfach alles passt und sich ineinander fügt. Das Gefühl, dass man im tiefsten inneren berührt wird und einem die Charaktere und der Schauplatz enorm nahe gehen. Genau das Gefühl, was einen immer wieder zu einer Serie hinzieht. Leider kann ich diesem Bedürfnis nun nur noch 5 Folgen lang nachkommen.

3 comments so far

  1. moo talaei (@mootalaei) on

    Ich kann dir versichern, dass der Schmerz über die Absetzung nach Folge 5 und 6 noch um einiges tiefer sitzen wird. Gibt speziell in #1.05 eine so unheimlich rührende und gleichzeitig urkomische Szene, dass ich beim Schauen echt nochmal zurückspulen und kurz überlegen musste, ob ich sowas Geniales überhaupt schon mal auf dem Bildschirm gesehen habe.

    Mit anderen Worten, ich kann deine Empfindungen ganz genau nachvollziehen. War jetzt auch nie ein sonderlicher Pferdeliebhaber (auch wenn ich sehr gut nachvollziehen kann, wie man sich von diesen wunderschönen Tieren um den Finger wickeln lassen kann) und dieser inhärente Widerspruch zwischen der Faszination mit Pferderennen und den Gefahren dieses Sports ist mir auch ziemlich suspekt, aber irgendwie wird man dennoch so sehr in die Serie hineingezogen, dass man sich fast wie das fünfte Mitglied der „Foray Stables“-Jungs fühlt.

    Nur mit dem ganzen Revenge-Plot rund um Ace kann ich nicht wirklich was anfangen, auch wenn’s selbst da absolut grandiose Szenen gibt. Ich sag bloß: icing on the cake! (Wirst nach den nächsten beiden Folgen wissen, was ich meine.)

    Anyway, long story short: Sehr, sehr schade. Um die Tiere, um die Serie, vor allem aber um die großartigen Charaktere.

    • tvaddictfromgermany on

      Ich bin mittlerweile auch bis zur sechsten Folge vorgestoßen (ich weiß, ich weiß, immer noch nicht weiter) und weiß was du meinst. Ace und das Pferd am Ende von #1.05 waren grandios, selbst wenn ich durch die Erwartung etwas „verspoilert“ war, aber auch so mochte ich die Folge supergerne. Und war zufällig auch die, wo Ace und Gus fast gar nichts mit dem Revenge-Plot am Hut hatten. Da waren sie fast wie eine weitere Gruppe Charaktere auf der Rennbahn, eben auch wie die Foray Stables Boys. Sehe das nämlich auch so wie du, dass der Revenge-Plot definitiv der schwächste Teil der Serie ist. Wahrscheinlich weil es da einen richtigen Plot gibt, ansonsten mag ich es nämlich einfach wahnsinnig gerne, nur mit den Jungs dort „abzuhängen“. Die vier Gambler zählen auf jeden Fall zu meinen Highlight-Charas des Jahres, großartig als Marcus Jerry gesteht, er glaubt er sei queer.🙂

      Schade wirklich, dass es so bald vorbei ist, auch wenn es bei mir wohl noch ein paar Tage dauern wird.😦

  2. moo talaei (@mootalaei) on

    „Die vier Gambler zählen auf jeden Fall zu meinen Highlight-Charas des Jahres, großartig als Marcus Jerry gesteht, er glaubt er sei queer. :-)“
    Dito. Meinte oben auch die geniale Motelszene, nicht den (ebenfalls schönen) Schluss mit Ace und Pint of Plain. Echt jammerschade, dass morgen schon die letzte Folge läuft. Aber Mad Men wird den Trennungsschmerz ja Gott sei Dank ein wenig lindern können…


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