Awake: „Pilot“ & „The Little Guy“

Ich habe bei „Awake“, trotz meiner seit Monaten freudigen Erwartung auf die Serie, bis zur zweiten Episode gewartet, um mir meine vorläufige Meinung zu bilden. Und wie immer gilt natürlich, dass ein Meinungsbild so weit am Beginn einer Serie immer eine Momentaufnahme ist und sich schnell ändern kann. Einer der Gründe für mein Abwarten war der große Vorbehalt, der per Twitter (von Seiten der diversen TV-Kritiker) dem Ende der zweiten Episode gegenüberstand. Nachdem ich diesen kontroversen Moment der Serie nun gesehen habe, bin ich froh darüber, dass ich selber darin noch kein großes Problem sehe.

Aber erst einmal zu meinem Gesamteindruck der noch jungen Serie. So viele Kritiker sehen ein Problem darin, ob man diese Prämisse der Show für längere Zeit aufrecht erhalten kann. Ich persönlich habe da momentan ja noch gar keine Bedenken, denn gerade die Prämisse ermöglicht es doch, dass man durchaus einige Zeit lang Polizeifälle erzählen kann, die durch die beiden Realitäten aufgepeppt werden. Um diese Prämisse kurz anzureißen, der Polizist Michael Britten lebt nach einem schweren Unfall (an den er sich selbst nicht erinnern kann) zwischen zwei Welten, in der einen lebt seine Ehefrau und sein Sohn ist tot, in der anderen ist seine Frau beim Unfall gestorben und der Sohn hat überlebt. Wie man diese Grundlage der Geschichte präsentiert halte ich für sehr gelungen, der optische Schlüssel über die Farben der Welten, das Hilfsmittel der beiden verschiedenen Ansätze der Therapeuten und auch die Tatsache, dass man im Piloten gleich mitten ins Geschehen geworfen wird waren clevere Entscheidungen. Die angesprochenen Fälle könnten meiner Meinung nach noch etwas einfallsreicher sein und noch mehr aus dieser Prämisse machen, aber auf persönlicher und charakterbezogener Ebene legt man doch die richtigen Schwerpunkte.

Ich bin weit davon entfernt, „Awake“ als besten Piloten der aktuellen Season zu bezeichnen, da hat die erste Episode von „Homeland“ doch eine wesentlich höhere Emotionalität erzeugen können, oder „Luck“ hat für mich einen besseren Job in Bezug auf die Atmosphäre geschaffen, aber ohne Frage ist der Einstieg in „Awake“ gelungen und macht Lust auf mehr. Das wichtigste Ergebnis bei mir war, dass ich mehr davon sehen will, allerdings erwarte ich hier auch nicht unbedingt eine erzählerische Offenbarung. Momentan erinnert mich „Awake“ doch noch eher an einfallsreiche Procedurals wie „Life“, was man durchaus als Kompliment auffassen sollte. Aber ich hoffe darauf, dass man nicht zu sehr in die Richtung der Verschwörungstheorien als Geschichtenantrieb verfällt (wie es die Szene am Ende von „The Little Guy“ andeutet), denn gerade der Aspekt hat für mich bei „Life“ am wenigsten funktioniert.

Die interessantesten Themen liegen sicher darin, wie verschiedene Menschen mit der Trauer umgehen und wie die Gegensätze in den Interpretationen der außergewöhnlichen Situation von Britten von Seiten der beiden Therapeuten behandelt werden. Das funktioniert bisher doch wirklich gut, und sorgt für die nötige Emotionalität beim Zuschauer. Kann man dieses Level halten und vielleicht in dem ein oder anderen Moment noch etwas vertiefen, dann kann „Awake“ durchaus zu einer interessanten Serie werden. Hoffen wir nur, dass wir diese auch eine ordentliche Zeit lang zu Gesicht bekommen. Mit einer vollen 13-Folgen-Staffel wäre ich persönlich ja schon zufrieden.

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