Justified: Cut Ties

Die erste Episode der neuen Staffel von „Justified“ hat mich jetzt zwar nicht unbedingt enttäuscht zurückgelassen, aber mich auch noch nicht wieder so richtig ins neue Geschehen hineingezogen. Das ist dafür „Cut Ties“ sehr gut gelungen.

Wenn ich mich jetzt darauf festlegen müsste, woran das liegt, dann würde ich wohl in erster Linie auf Art verweisen, der hier im Fokus stand. Er ist der meiner Meinung nach am besten entwickelte Charakter unter Raylans Kollegen, was sicher auch zum großen Teil an Nick Searcys Charisma liegt. Aber auch sein Konflikt mit Raylan besonders in der 2. Staffel gehörte für mich zu den absoluten Highlights und es war eine reine Freude, ihn hier wieder einmal näher beleuchtet zu sehen. Besonders unter dem Gesichtspunkt, wie er selbst zu Raylans Regelüberschreitungen steht, war sein Verhalten beim Verhör mit dem Verdächtigen unheimlich interessant und ich habe dabei wieder einmal fest gestellt, dass ich an solchen Bad-Ass-Szenen meiner Helden viel mehr Spaß habe, als wenn diese von irgendwelchen dahergelaufenen Bösewichten ausgeübt werden (wie noch in „The Gunfighter“ durch den Mann aus Detroit).  Es hat einfach eine ganz andere Tragweite, einen Charakter wie Art eine solche Tat begehen zu sehen, als wenn dies von jemanden kommt, dem man dies von Anfang an zutraut.

Andererseits war der erste Auftritt von Mykelti Williamson als Limehouse einer der denkwürdigen Sorte. Die Methode, einen Bösewicht seine Macht durch eine bedeutungsschwangere Rede während der gleichzeitig ein Stück Fleisch filetiert demonstrieren zu lassen, ist sicher nicht neu (zuletzt gesehen unter anderem in „Game of Thrones“), aber das macht diese ja nicht weniger wirkungsvoll. Abgeschlossen durch den barbarischen Akt rund um die Verätzungen (der seine Bedeutung erst voll entfaltete, als man die Narbe des anderen Handlangers gesehen hat und wie hoch stehen die Chancen, dass man sich hier bei „Fight Club“ hat inspirieren lassen), hat Limehouse bei mir zumindest einen ordentlichen und vor allem vielversprechenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht war hier der Unterschied zu Neal McDonoughs Charakter aber auch, das weniger manchmal mehr ist. Bis hierher steht für mich jedenfalls erst einmal fest, wen der beiden neuen Big Bads ich bevorzuge.

Aber man hat da ja noch einiges mehr an konkurrierenden kriminellen Elementen im Mix, da sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein. Boyd ist nun also hinter Mags Vermögen her und nachdem man am Ende der letzten Episode noch dachte, er sei auf bloße Rache an Dickie aus, merkt man nun das da doch einiges mehr dahinter steckt. Gut so, ein cleverer Boyd ist ein unterhaltsamer Boyd. Und was kann man von Raylans Besuch im Gefängnis halten? Mal abgesehen davon, dass der Dialog der beiden mal wieder köstlich war, frag ich mich ja, ob Raylan etwas von Boyd Plänen gegen Dickie ahnt? Hat er ihn deshalb früher aus dem Knast gelassen? Hat er ihm davon erzählt, dass Boyd noch schnell seinen Schachzug gegen Dickie machen kann? Da es immer wieder gut ist, über die wahren Motive der Protagonsiten rätseln zu können, bin ich mit dieser Entwicklung sehr zufrieden.

Ein weiterer wichtiger Aspekt war Carla Cuginos Charakter Marshall Goodall, die hier mehr oder weniger Karen Sisco spielt. Karen Sisco ist die Hauptfigur in Elmore Leonards Geschichte „Out of Sight“, welche im Kino mit Jennifer Lopez in diesem Part verfilmt wurde, aber auch für eine kurzlebige TV-Serie als Vorlage diente. Darin spielte Carla Cugino Karen Sisco, deren Name aus rechtlichen Gründen hier zwar nicht verwendbar war, aber ich denke man hat alles daran gesetzt, dass sie eigentlich Karen sein soll. Ihre Dynamik mit Raylan war auf jeden Fall sehr interessant und obwohl ich eigentlich keine Lust auf ein Beziehungsdrama habe, hab ich mich doch bei dem Gedanken ertappt, das es sicher keine schlechte Sache wäre, diese beiden öfter miteinander arbeiten zu sehen.

Diese Folge hat jedenfalls genau die richtige Mischung aus einem zwar sehr zentralen, aber interessanten und von guten Szenen (besonders wenn Art involviert war) geprägten Einzelfall und einigen fortlaufenden Elementen getroffen. Besonders die Dynamik zwischen Raylan und seinem Vorgesetzten hat dadurch einige neue Facetten erhalten, seine Kollegen Tim und Rachel bleiben dagegen weiterhin zwar reichlich farblos, aber wenigstens wird Rachel hier ordentlich zur Kenntnis genommen (Tim war während der Episode abwesend).

Ich bin mit „Cut Ties“ wie man sieht sehr zufrieden, was meint ihr zur Episode?

3 comments so far

  1. Nicki on

    Ich hab auch zuerst über Raylans Absichten gerätselt, Boyd wiederum war es im Gespräch mit Dewey aber ja sofort klar ^^ Boyd hatte Raylan ja vor der Prügelei gesagt, dass die Sache mit Dickie für ihn nicht abgeschlossen ist, Raylan brauchte anscheinend nur a bisserl, bis er 1 und 1 zusammenzählen konnte und ihm klar wurde, dass Boyd ihn benutzt hat. Er versucht also, Boyd sofort rauszuholen, aber der liebe Gefängnisboss wollte erst „nach dem Aufstehen“ handeln, deshalb musste Raylan Dickie in Einzelhaft stecken lassen. Gesagt hat er es ihm, denk ich, um ihn wissen zu lassen, dass er ihn durchschaut, wenn es auch etwas gedauert hat😀

  2. tvaddictfromgermany on

    Ja, bin mittlerweile auch der Überzeugung. Es gab da ja davor auch noch diese Szene mit Winona, die etwas in der Richtung sagt, dass (Immobilien)-Makler eigentlich immer das Gegenteil von dem sagen, was sie eigentlich meinen, und da ist Raylan wohl ein Licht aufgegangen. UNd gesagt hat er es Boyd auf jeden Fall bestimmt, weil den Autoren definitiv was fehlen würde, wenn sie nicht einen Raylan-Boyd-Dialog pro Folge einbauen könnten, bin ich der festen Überzeugung.🙂

  3. Nicki on

    Da würde mir definitiv auch was fehlen🙂


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