Sherlock „The Hounds of Baskerville“ & „The Reichenbach Fall“

Machen wir uns nichts vor, diese Einleitung besteht nur aus leeren Worten die eine Einleitung vor dem Umbruch schaffen sollen, damit wir dort dann ohne Bedenken vor Spoiler frei über den großen Elefanten im Raum reden können. Also, ohne weiteres Geschwafel, auf zur Review für die beiden letzten Episoden der 2. Staffel von Sherlock:

Zuvor aber noch ein paar Worte über „The Hounds of Baskerville“, welches sich zwar bei mir ein paar Tage angestaut hat, bis ich es schauen konnte (wir TV-Serien-Fans sind diese 90-Minüter einfach nicht mehr gewohnt und schaffen es logistisch irgendwie schwer, sie im wöchentlichen Rhythmus unterzubringen, zumindest dieser TV-Serien-Fan hier), dann doch aber wirklich enorm überzeugen konnte. In Staffel 1 war diese mittlere Episode von „Sherlock“ ja bedeutend schlechter als die anderen beiden gewesen, aber mit der wohl bekanntesten Sherlock-Holmes-Story hat man hier einen sehr guten Fall inszeniert. Über den Inhalt gibt es nicht viel zu sagen, im Prinzip lösen Holmes und Watson zur Abwechslung mal einen Fall auf dem Lande und begeben sich auf die Spuren des Fabeltiers von Baskerville. Die Adaption der Geschichte in die Neuzeit gelingt dabei ausgesprochen gut und besonders durch den eindrucksvollen Auftritt von Gastdarsteller Russel Tovey (den die „Doctor Who“-Fans vielleicht noch aus dem Weihnachtsspecial auf der Titanic kennen) hebt sich diese Krimihandlung von der breiten Masse ab. Aber auch zwischen Sherlock und Watson gibt es einige tolle Momente und als später auch noch Inspector Lestrate aufs Land kommt, ist die Männerrunde komplett. Diese „normale“ Episode von „Sherlock“ hat der Serie in meiner Wertschätzung jedenfalls den Platz als bestes und unterhaltsames Procedural eingebracht.

Aber kommen wir nun  zu „The Reichenbach Fall“, welches wieder die Rivalität zwischen Sherlock Holmes und Jim Morriaty in den Mittelpunkt rückt. Und allein dieser Fokus, aber eben auch der Titel sollten selbst dem Gelegenheits-Holmes-Kenner einen Hinweis geben, wie dies alles enden wird. Und falls es doch jemand nicht weiß, sorgt Dr. Watson am Anfang der Episode dann dafür, denn diese wird in Rückblenden erzählt und Watson platzt gleich damit heraus: Sherlock Holmes ist tot! Nun ist die Geschichte, dass Arthur Canon Doyle seinen Romanhelden am Ende von „Sein letzter Fall“ an den Klippen des Reichenbachfalls hat umkommen lassen und dies auch mit der vollen Absicht tat, diesen Tod so stehen zu lassen, ebenso legendär wie die eigentlichen Romane. Das Holmes danach, nach für damalige Zeiten enormen Leser- und Medienaufsehen, doch wieder auferstanden ist und es sich als ein gefälschter Tod herausgestellt hat. Und ich bin mir sicher Steven Moffat und Mark Gatiss spielen hier ebenso mit diesem Mythos der Geschichten, wie mit der Vorlage an sich. Aber ich muss auch wirklich bewundernd zugeben, trotz dieser Vorhersehbarkeit ist das Kunststück doch vorzüglich gelungen, sowohl vor als auch hinter der Kamera.

Denn die bereits lange beschlossene darauffolgende 3. Staffel der Serie wurde erst nach der Ausstrahlung dieser Episode in Großbritannien bekannt gegeben und da der heutige TV-Seher nun einmal nicht mehr so leicht an den dauerhaften Tod einer solchen Hauptfigur glauben mag wie der landläufige Romanleser vor der Jahrhundertwende (zum 20. Jahrhundert, wohlgemerkt), und erst recht nicht, wenn man weiß, dass es danach weiter geht, hat man hier doch alle Möglichkeiten gut ausgereizt. Denn sowohl Martin Freeman als auch Benedict Cumberbatch sind hoch gefragte Schauspieler, da wäre es durchaus denkbar gewesen, dass nach Staffel 2 Schluss gewesen wäre. Aber eigentlich muss Sherlock Holmes schon aus Traditionsgründen nach seinem tragischen Fall wieder auferstehen.

Und ich bin enorm gespannt, wie man das denn nun erklären will, denn sowohl der Zuschauer als auch der am Boden zerstörte Watson haben Sherlocks Leiche gesehen, auch wenn natürlich Watsons Sturz und seine kurze Ohnmacht, sowie Sherlocks kurze Szene zuvor mit Molly Hinweise, wie das ganze wohl abgelaufen sein mag, geben. Aber einmal ganz abgesehen davon, wie man diesen Cliffhanger nun auflöst, war dies ein fantastisches Ende, welches alles zuvor dagwesene der Episode einfach durch seine schiere Intensität etwas überlagert. Das soll nun wahrlich nicht heißen, dass die Folge bis dahin irgendwie schlecht war, ganz im Gegenteil. Das clevere Katz und Maus Spiel zwischen Sherlock und Morriaty wurde da wirklich gekonnt und unterhaltsam aufgebaut, aber  in meiner Erinnerung wird dies doch alles überlagert, von dem Moment als Sherlock allein und verzweifelt auf dem Dach steht und einen Weg sucht, seine Freunde zu retten. Und ihn dann mit dem langsam begreifenden Watson telefonieren zu sehen war wahrlich eine emotionale Tortur. So viele dieser Momente lebten davon, dass Martin Freeman mit minimalen Mitteln in der Lage ist, all die Gefühle für seinen Freund zu übermitteln. Das Schauspiel von Cumberbatch grenzt in manchen Momenten wahrlich an Overacting, aber die Rolle des Sherlock verlangt danach und wenn man sieht, wie dagegen John Watson als Part angelegt ist und wie natürlich und ohne viel Aufhebens Martin Freeman diesen darstellt, dann wird einem klar, wie bewußt dieser Gegensatz eingebaut wurde. Freeman war großartig, egal ob bei seiner Therapeutin oder an Sherlocks Grab und auch wenn man innerlich wußte, dass Sherlock nicht tot ist, war man dennoch enorm mitgenommen.

In der Retrospektive muss ich zu „Sherlock“ wirklich sagen, dass ich von der 2. Staffel enorm beeindruckt bin, ich hatte zunächst eine etwas ambivalente Einstellung dazu, da mich die Moffat-Ära bei „Doctor Who“ (wo ich mich gerade durch die 5. Staffel bewege) etwas enttäuscht hat und mir das Herz der Davies-Zeit etwas fehlt und dann hat bei mir „A Scandal in Belgravia“ etwas den Eindruck hinterlassen, dass die Serie sich ein wenig zu sehr auf der eigenen Cleverness ausruht, aber die nächsten beiden Episode konnten mich dann doch wirklich enorm überzeugen. Diese manchmal etwas kühlere, intellektuelle Art, die Moffatts Schreibstil wohl auslöst, passt hier sehr gut zur Geschichte und zu den Figuren. Und die emotionale Komponente wird sehr gut durch Freeman und eine für meine Begriffe besser ausgearbeite Gruppe von Nebenfiguren ausgefüllt, ein Fakt, der mir bei „Doctor Who“ momentan noch etwas fehlt.

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