Justified „The Gunfighter“

Es ist schon seltsam, welch große Lücke die Abwesenheit von Margo Martinadale in der Welt von Harlan als Ort und in „Justified“ als Serie hinterlässt, bedenkt man, dass sie selbst ja auch erst in der zweiten Staffel aufgetaucht ist. Aber die Erweiterung der Serienwelt rund um ihre charismatische Matriarchinfigur hat diese so enorm bereichert und dieser so viele neue Facetten gegeben, dass es kein Zufall war, dass mit den Bennetts der Sprung der Serie von sehr gut zu großartig kam. Nun muss man mit deren Verlust klarkommen und die erste Episode der 3. Staffel von „Justified“ versucht dieses Thema frontal anzugehen

Aber wie auch schon am Anfang der Vorgängerstaffeln kann ich momentan noch nicht sagen, ob und wie sich das wirklich auf lange Sicht bezahlt machen wird. Das Vakuum, was in Harlan durch Mags Tod entstanden ist, wird sogleich wieder durch eine ganze Reihe von neuen potentiellen Bösewichten gefüllt, was sicher keine schlechte Idee ist. Besonders gelungen ist dabei aus meiner Sicht, dass niemand darunter ist, der auch nur im geringsten an Mags erinnert. Der von Neal McDonough verkörperte neue Gangster aus Detroit ist in all seinen Facetten so anders als Mags, dass der Vergleich bis auf den Zeitpunkt eigentlich nie aufkommen würde. Und das ist gut so, denn der lange Schatten sollte sich nicht ewig über das Geschehen legen. Neal McDonough schafft es jedenfalls, in typischer Elmore Leonard Manier einen ruchlosen Eindruck zu hinterlassen und schnell kurzen Prozess mit wichtigen Teilen der Dixie Mafia zu machen (auch wenn ich zugeben muss, dass mein Gedächtnis bezüglich der jeweiligen Beziehungen dieses Teils der Raylan-Gegner nicht mehr das beste ist).

Was mir momentan noch etwas Sorge macht, dass mit Mags auch so eine wenig die Seele der Serie, die viele Aspekte zusammen gehalten hat, verloren ging. Mags (und Helen) waren die Fixpunkte in der komplizierten Familienfehde zwischen den Bennetts und den Givens, aber auch eng verbunden mit den Crowders und im Gegensatz zu den manchmal doch eher beschränkten Männern haben sie diesen Aspekten eine gewisse emotionale Relevanz verpasst. Auch für den Lokalkolorit war Mags sehr wichtig, ihre Rede bezüglich des Blake Pike Deals war eines der absoluten Highlights und ich befürchte ein klein wenig, dass für mich coole Schießereien und Machosprüche das nicht ausgleichen können. Andererseits weiß ich natürlich, dass diese zur DNA gehören und wenn darüber hinaus mehr an emotionaler Relevanz geboten wird, bin ich die letzte die sich nicht auch darüber amüsieren kann.

Vor allem war es aber bisher immer so, dass sich der rote Faden einer Staffel im Laufe der Zeit entwickelt hat und mittlerweile hat Harlan auch den Status erreicht, dass ich mich unheimlich freue, in diese Welt einzutauchen. Ich bin mit „The Gunfighter“ vielleicht noch nicht wieder bei der alten Begeisterung angekommen, aber ich sehe auch keinen wirklichen Grund, mir Sorgen um den weiteren Verlauf der Serie zu machen.

Inhaltlich geht es in der Episode darum, den alten Status Quo wieder herzustellen. Raylan und Ava leiden noch spürbar unter ihren Schussverletzungen und Raylan durchaus auch unter dem Gedanken, nicht mehr der jüngste zu sein (auch wenn diese Aussage im Angesicht von Timothy Olyphants Äußerem nahezu an Blasphemie grenzt). Die Pläne von Raylan und Winona Harlan zu verlassen, wurden offensichtlich aug Eis gelegt, ohne dass die Gründe hierfür wirklich erläutert wurden. Dafür planen sie nun wohl endlich aus dem Motel auszuziehen und beratschlagen über Babynamen. Das verleiht Winona nun auch noch nicht mehr Eigenschaften über ihren Damsel in Distress Status hinaus, da besteht also durchaus noch weiterer Handlungsbedarf. Arlo hat offensichtlich seinen Groll Raylan gegenüber ebenfalls verdrängt.

Ava muss dagegen ihren Status als Boyds Partnerin mit harten Bandagen durchsetzen, was in mir die Hoffnung schürt, dass hier vielleicht der nächste große Frauencharakter schlummert. Ihre Methode der Respektsverschaffung hatte es jedenfalls schon einmal in sich.

Und Boyd tauscht Nettigkeiten mit Raylan, verprügelt diesen dann um im Gefängnis in die Nähe von Dickie zu gelangen, wie wir ganz am Ende erfahren. Hell Yeah, das könnte interessant werden.

Ein weiteres Highlight der Folge war Desmond Harringtons kurzer aber denkwürdiger Auftritt (oder sollte Raylan ihn doch nicht tödlich verletzt haben?) als Serienkiller Fletcher Nix. Der kam in die Stadt wie einer dieser schweigsamen Westernhelden, ironischerweise ebenfalls mit Hut ausgestattet und hat eine Blutspur hinterlassen. Bis es in einem Duell der Revolverhelden endet, ganz wie in einem Western eben.

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