House of Lies „Gods of Dangerous Financial Instruments“

OK, die ersten 30 Minuten der neuen Showtime-Comedyserie „House of Lies“ lassen mich eigentlich mit nahezu 100%er Sicherheit zurück, dass die Show definitiv nichts für mich ist. Aber auch der kleinen nagenden Frage, ob man aus der zugrunde liegenden Prämisse vielleicht doch auf Dauer etwas machen kann.

Mein Problem mit der Serie, welches auch immer wieder auf ähnliche Programme wie „Californication“ zutrifft, ist das ich wenig Toleranz für überhebliche, reiche, verantwortungslose Säcke habe, die sich verhalten als hätte sie die Weisheit mit Löffeln gefressen. Ich kann solchen Leuten im wahren Leben wenig abgewinnen und finde nur selten Spezien dieser Art, die mich als Protagonisten einer Serie bei der Stange halten können. Und bisher gehört Marty Kaanzu eben dieser Gattung, und auch die kleinen Hinweise auf seine menschliche Seite (der Selbstmord der Mutter, die Vaterliebe) helfen da nicht viel, wenn er wenig Anzeichen zeigt, einen halbwegs verantwortungsvollen Gedanken im Kopf zu haben. Da nützt es auch nicht, dass ich durchaus auch wegen Don Cheadle eingeschaltet habe, da muss auf Dauer einfach noch mehr kommen als hohle Sprüche.

Auch der restliche, vielversprechende Cast kann bisher noch wenig zeigen, was für Potential in ihm steckt. Weder Kristen Bell noch Ben Schwartz haben einen wirklichen Eindruck hinterlassen können und von keinem der beiden wurde auch nur ein Viertel ihres Könnens abverlangt. Und bis kurz vor Schluss war ich mir wirklich sicher, dass dies mein letzter Versuch mit „House of Lies“ bleibt. Mich hat die betont ccole Darstellung (beispielsweise die die vierte Wand brechenden Kommentare von Marty) der Arbeit der Berater und die ungenierte Darstellung der Elite und des Finanzwesens wirklich sauer aufgestoßen.  Dieses ungenierte Baden in den schlimmsten Auswüchsen des Kapitalismus ist für mich und meine Weltansicht nur schwer zu ertragen, einzig die Frage, wie man dieses Verhältnis zwischen dem kriselnden Amerika und eben dieser Finanzelite weiter thematisiert, hält für mich noch ein gewisses Interesse vor. Zwar war auch Martys Lösung für das Dilemma seiner Klienten von Zynismus und eben der angesprochenen elitären Überheblichkeit geprägt, aber manchmal liegt ja die Parodie auch in der Überspitzung der Dinge und ich kann mir hier durchaus eine gute Satire dieser Dinge vorstellen.

Die Tatsache, dass Marty dann aber auch während der Musicalaufführung seines Sohne eine andere Mutter flachlegt, das alberne lesbische Intermezzo seiner Stripperfreundin mit Anna Camp und das eher seelenlose Flirten von Marty mit Jeannie macht mir aber momentan nicht viel Hoffnung, dass die Serie wirklich etwas für mich ist. Ich werde sicher noch mal reinschauen, aber dabei wird es wahrscheinlich dann bleiben. Die, gerade bei Fragen der zeitgenössischen Relevanz immer lesenswerte Alyssa Rosenberg trifft es in ihrer Review eigentlich ganz gut auf den Punkt, das die Thematik einiges an Material bietet, man sich aber zuviel und zu  selbstgefällig in Nebensächlichkeiten verfängt.

1 comment so far

  1. ForVanAngel on

    Stimme dir so leid es mir tut total zu, Don Cheadle ist cool, ich mag ihn in Filmen, leider ist er ein überheblicher, arroganter, selbstverliebter, geldgeiler Typ, und hilft mit seinem Job auch noch reichen Firmen ihr Image aufzupolieren, d.h. die Öffentlichkeit quasi so zu beeinflussen wie man es gerne hätte ist für mich absolut unsympathisch und nichts was ich sehen will oder womit ich mich identifizieren kann, bin da absolut der Fan des kleinen Mannes. Jedenfalls war der Humor gar nicht mein Ding, tief fällt mir nur dazu ein, Schwartz ist cool in Parks, hab auch absolut nix gegen Coolness, meine Güte Tom Haverford wäre in Real auch net mein Kumpel, aber seine Art hat was und ich mag wie er sich gibt. Naja, werde noch mal ne zweite Folge gucken, vielleicht war es nur ein Ausfaller. Wo du gerade noch von Showtime redest und von Californication, die Serie hat mich mit ihrem sex-besessenen Piloten abgeturnt, kam dann aber doch mit der Zeit besser in Schwung, von daher hoffe ich auch bei HoL auf diese Wandlung. Gab eigentlich in der ganzen Folge nur 1 Sache die ganz nett war, eben wie Marty mit Stichwortenkarten arbeitete oder in die Kamera sprach, mehr war da nicht, von der Lesbensache will ich nicht anfangen, denn mir ist immer noch schlecht. Naja, wenn’s nix is, isses halt nichts, nur ist es schon so, dass ich selten so einen schlechten Comedy-Piloten gesehen habe, meistens warte ich ab und denk mir: Ach, is schon okay, vielleicht wird es noch.


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