Sherlock „A Scandal in Belgravia“

OK, die Neugier und das mangelnde Programm in dieser Woche haben gewonnen, an einem ruhigen Freitagabend habe ich nun doch die Auftaktepisode der zweiten Staffel von „Sherlock“ konsumiert. Mehr darüber nach dem Übergang, Spoiler natürlich inbegriffen:

Wenn es auch in dieser, selbst für britische Verhältnisse sehr kurzen Staffel, wieder so wird wie im letzten Jahr, dann werden Episoden 1 und 3 Highlights, mit einem völlig losgelösten (hoffentlich nicht so schwachem Part wie „The Blind Banker“) in der Mitte. Der Auftakt jedenfalls war schon einmal überzeugend. Zwar ist „Sherlock“ nichts mehr als fluffig, leichte Unterhaltung mit einem schon fast strafbar charismatischem Hauptdarsteller, aber als Fernsehfilm für die ganze Familie funktioniert er ausgesprochen gut. Warum erinnern mich die britischen Serien immer (wirklich nur positiv) an die guten alten Zeiten, als ich noch gemeinsam mit meinen Eltern TV-Filme und Mehrteiler (damals zumeist deutscher Machart) geguckt habe?

OK, kommen wir aber zum aktuellen Fall und zu einer Episode, die vor allem von zwei Dingen gelebt hat:

  1. Benedict Cumberbatch (wobei das natürlich keine Überraschung ist)
  2. dessen Chemie mit seiner neuen Gegenspielerin Lara Pulver aka Irine Adler aka „The Women“

Unter diesem Aspekt war es eine starke Episode, voller prickelnder Szenen, die für meine Begriffe genau die richtige Mischung zwischen dem eigentlich asexuellen Sherlock Holmes und seiner doch eindeutig vorhandenen Anziehung zu Irene gefunden hat. Das beseitigt nun wohl auch alle Spekulation, Sherlock sei homosexuell, denn natürlich war da was zwischen den beiden. Das Hin und Her wurde von Anfang an gut aufgebaut und hat sich auch organisch in den großen Cliffhanger vom Ende der 1. Staffel eingefügt. Moriarty ist nun erst einmal vorerst aus dem Spiel, aber ich bin mir sicher nicht für lange.

Der Fall rund um Irene und komplizierte Intrigen der Regierung, stellvertretend ausgeführt von Sherlocks Bruder Mycroft, war wieder einmal mehr Nebensache, wobei er den Zuschauer durchaus gut bei der Stange gehalten hat und auch am Ende Alles halbwegs Sinn ergab. Aber der Schwerpunkt lag klar auf dem Zusammenspiel von Sherlock und Irene und ich war kurz überrascht, dass die Serie solch eine potente wiederkehrende Figur dann doch am Ende dieser Episode endgültig tötet, aber das haben Moffat und Gatsiss wohl auch so gesehen und natürlich hat Irene überlebt. Mehr sogar, sie und Sherlock sind offensichtlich so etwas wie ein Team geworden.

Es gibt ein paar Kleinigkeiten die mich im Verlauf der Episode trotz des überzeugenden Zusammenspiels der beiden Protagonisten gestört haben, die vielen optischen Gimmicks die man benutzt, um Sherlock in die Neuzeit zu versetzen waren mir teilweise etwas zuviel und zu angeberisch. Andereseits war es ein Spaß, Sherlock und Watson kurz mit der typischen Kopfbedeckung zu sehen. Einzig richtiger Kritikpunkt bleibt aber, dass mir die beiden eigentlichen Helden, Holmes und Watson, zu wenig interagieren konnten. Denn sie bilden nunmal das Grundfundament der Serie, da aber Irene so sehr in den Vordergund rückte, musste Watson leider etwas zurückstecken. Abgesehen davon war es aber ein großer Spaß und ich meine das als ausgesprochenes Kompliment, ich kann mir gut vorstellen, diese Serie wieder einmal meinen Eltern zu empfehlen.

Bullet Points:

  • Ich habe die ganze Zeit auf die große, skandalträchtige Nacktsszene gewartet, die in Engalnd laut Twitter für Aufregung gesorgt hat. Wirklich, in England? Ich dachte ja immer die Amis wären prüde. Wikipedia meint, es wäre der nackte Auftritt von Irene gewesen. Also wirklich, manchmal ist es schon amüsant über was man sich so echauffieren kann. Ich fand beide angedeuten Nacktszenen (auch Sherlock nackt im Buckhingham Palace) einfach nur äußerst amüsant.
  • Watson ist und bleibt also ein Charmeur, der seine ganzen Freundinnen aber gegen seine eigene Aufmerksamkeit Sherlock gegenüber verliert. Hat noch jemand das Gefühl, dass man hier wirklich mit allen Mitteln versucht hat klarzustellen, weder Holmes noch Watson seien homosexuell? Nicht das was dabei wäre…
  • Ich mochte die kleine Weihnachtsfeier, eine sehr gelungene Methode, uns als Zuschauer an all die Nebenfiguren wie Molly und Inspector Lestrade zu erinnern.

1 comment so far

  1. […] etwas enttäuscht hat und mir das Herz der Davies-Zeit etwas fehlt und dann hat bei mir “A Scandal in Belgravia” etwas den Eindruck hinterlassen, dass die Serie sich ein wenig zu sehr auf der eigenen Cleverness […]


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